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Hamburg, 04.03.07 -
Kein Zweifel: Die Daten zu den Integrasehemmern waren die Highlights schlechthin auf der
diesjährigen, gerade zu Ende gegangenen 14. Conference on Retroviruses and Opportunistic
Infections (CROI). Mit "Raltegravir" (ehemals MK-0518) und "Elvitegravir"
(ehemals GS-9137) muss man sich nun wohl gleich zwei neue Namen merken. Im Folgenden soll kurz auf
die drei Substanzen eingegangen werden, zu denen in Los Angeles in vivo Studien publiziert
wurden. Raltegravir (MK-0518) ist ein Strangtransfer-Inhibitor der Firma MSD und
momentan eine der spannendsten neuen antiretroviralen Substanzen überhaupt. Die beeindruckenden
Daten einer auf der letzten CROI in Denver vorgestellten Phase-II-Studie wurden jetzt durch zwei
große Phase III-Studien bestätigt. In BENCHMRK-1 und -2 erhielten 699 Patienten mit
Dreiklassen-Resistenz entweder 2 x 400 mg Raltegravir täglich oder Plazebo zu einer optimierten
Therapie [1,2]. Nach 16 Wochen hatten 79 % (versus 43 %) eine Viruslast unter 400 Kopien/ml
erreicht. Selbst unter jenen Patienten, in denen nach dem genotypischem Resistenztest zu Beginn
keine einzige aktive Substanz mehr vorhanden war, lag die Rate bei 57 % (versus 10 %). Die
Verträglichkeit war zudem sehr gut und mit Plazebo vergleichbar. Die Daten zur
Resistenzentwicklung unter Raltegravir sind noch limitiert, es scheint aber wenigstens zwei
genetische Resistenzpfade zu geben, entweder über die Mutation N155H oder über Q148K/R/H,
die beide im katalytischen Kern der Integrase lokalisiert sind [1]. Das Expanded Access-Programm,
das für Deutschland für Februar/März 2007 angekündigt ist, wird weiterhin
sehnlichst erwartet. Elvitegravir (GS-9137, früher JTK-303) ist ein
Integrasehemmer von Gilead, der biochemisch den Chinolon-Antibiotika ähnelt. Wie Raltegravir
hemmt auch Elvitegravir den Strangtransfer. Im Gegensatz zu Raltegravir muss Elvitegravir jedoch mit
100 mg Ritonavir geboostert werden, dafür ist wohl die tägliche Einmalgabe möglich.
Die jetzt auf der CROI vorgestellten Daten einer Phase-II-Studie, in der 278 Patienten entweder drei
geboosterte Dosen (20, 50 und 125 mg) Elvitegravir oder einen neuen geboosterten Proteaseinhibitor
(PI) erhielten, zeigten ein gutes Ansprechen unter Elvitegravir [3]. Zwar musste der 20
mg-Arm wegen hoher Versagensrate abgebrochen werden, dafür erreichten in den höher
dosierten Armen mehr Patienten nach 16 Wochen eine Viruslast unter 50 Kopien/ml als im PI-Arm (ca.
40 versus 30 %). Vor vorschnellen Vergleichen mit den Raltegravir-Daten sei gewarnt, da diese Studie
anders konzipiert war - es wurde gegen einen aktiven PI und nicht gegen Plazebo verglichen. Die
Verträglichkeit war wie bei Raltegravir sehr gut. Auch bei Elvitegravir lassen sich durch
in-vitro Passagen Resistenzmutationen selektionieren, es scheint ebenfalls mindestens zwei
Resistenzpfade zu geben, und zwar über T66I oder E92Q [4]. Vor allem E92Q scheint für eine
hohe Resistenz zu sorgen. Teilweise überlappen sich die Resistenzen von Elvitegravir und
Raltegravir, klassenübergreifende Kreuzresistenzen könnten also möglich sein [4].
Klinische Daten werden diese Befürchtungen hoffentlich widerlegen. GSK-364735 ist ein Strangtransferinhibitor von GlaxoSmithKline, der
derzeit noch zusammen mit der Firma Shionogi entwickelt wird. In einer Phase-I-Studie an 79 gesunden
Probanden wurden zwischen 50 und 400 mg täglich gut vertragen [5], Phase-II-Studien sind im
Gange. Wie bei allen neuen Wirkstoffklassen bleiben auch bei den Integrase-Inhibitoren
derzeit noch viele Fragen offen. Zwar ist die Verträglichkeit über einige Wochen gut,
über Langzeittoxizitäten ist jedoch noch nichts bekannt. Eine
klassenübergreifende Kreuzresistenz scheint, wenn auch unwahrscheinlich, zumindest
möglich. Es scheint zudem einige ungünstige Interaktionen zu geben, und
möglicherweise sprechen auch nicht alle Patienten auf Integrase-Inhibitoren an. Dennoch geben
die bisherigen Ergebnisse Anlass zur Hoffnung, dass auch bei Patienten mit multiresistenten Viren
die HIV-Infektion wieder zumindest für eine Zeitlang kontrolliert werden kann. Literatur zu Integrase-Inhibitoren 1. Cooper D, Gatell J, Rockstroh J, et al. Results of BENCHMRK-1, a phase III
study evaluating the efficacy and safety of MK-0518, a novel HIV-1 integrase inhibitor, in patients
with triple-class resistant virus. Abstract 105aLB, 14th CROI 2007,
Los Angeles. 2. Steigbigel R, Kumar R, Eron J, et al. Results of BENCHMRK-2, a phase III study
evaluating the efficacy and safety of MK-0518, a novel HIV-1 integrase inhibitor, in patients with
triple-class resistant virus. Abstract 105bLB, 14th CROI 2007,
Los Angeles. 3. Zolopa A, Mullen M, Berger D, et al. The HIV integrase inhibitor GS9137
demonstrates potent ARV activity in treatment-experienced patients. Abstract 143LB, 14th CROI 2007,
Los Angeles. 4. Jones G, Ledford RM, yu F, et al. In vitro resistance profile of HIV-1 mutants
selected by the HIV-1 integrase inhibitor, GS-9137 (JTK-303). Abstract 627, 14th CROI 2007, Los
Angeles. 5. Reddy S, Min S, Borland J, et al. A double-blind, parallel, randomized,
placebo-controlled, single and repeat dose-escalation study to investigate the safety, tolerability,
and pharmacokinetics of the HIV integrase inhibitor GSK364735 in healthy subjects. Abstract 562,
14th CROI 2007, Los Angeles.
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