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Paris, 26.03.2008 - Tenofovir ist ein gut verträgliches Nukleosidanalogon, das heute zu den wichtigsten HIV-Medikamenten zählt. Zu den Nebenwirkungen gehören eine milde bis moderate Nierenfunktionsstörung, während schwere Störungen selten sind: in einer Kohorte mussten 46 von 2592 Patienten (1,6 %) die Substanz wegen renaler Toxizität nach durchschnittlich 442 Tagen abbrechen (Fux 2007). Patienten mit Nierenschäden sollten daher nach Möglichkeit kein Tenofovir erhalten. Ein Nierenversagen im Zusammenhang mit Tenofovir wird auch im Rahmen eines Fanconi-Syndroms beobachtet. Zwar ist die Inzidenz gering (Gupta SK. Tenofovir-associated Fanconi syndrome: review of the FDA adverse event reporting system. AIDS Patient Care STDS 2008; 22: 99-103 ), doch ist das Management eines Fanconi-Syndroms mitunter anspruchsvoll. Der renale Phosphatverlust ist auch eine mögliche Ursache der unter Tenofovir beobachteten Osteomalazie. Tatsächlich zeigten die mit Tenofovir behandelten Versuchstierspezies eine zeit- und dosisabhängige Nieren- und Knochenschädigung (http://www.fda.gov/cder/foi/nda/200 1/21-356_Viread.htm). Der Mechanismus, über den Tenofovir das Fanconi-Syndrom vermittelt, könnte darin bestehen, dass Tenofovir die Mitochondrien schädigt. Professor Ulrich Walker und Dr. Nils Venhoff, zwei Forscher der Universität Freiburg, wollen nun in einem Ratten-Modell untersuchen, ob Tenofovir in der Niere und im Knochen in der Lage ist, die Mitochondrien zu schädigen, indem es die Menge mitochondrialer DNA vermindert. Ziel der Untersuchungen ist es unter anderem herauszufinden, welche Rolle die Mitochondrien in der Niere und im Knochen spielen und eventuell einen Marker zu entwickeln, der es erlaubt, die Nebenwirkungen von Tenofovir bei einzelnen Patienten frühzeitig vorauszusagen. Die Reinsubstanz von Tenofovir, die für die Untersuchungen notwendig ist, hat die Herstellerfirma Gilead bei der ersten Anfrage noch verweigert - mit dem Hinweis, dass es "keinen Hinweis auf mitochondriale Toxizität" gäbe. Wer eine Idee hat, wie man die Substanz erhalten kann, möge daher bitte Kontakt aufnehmen mit Professor Ulrich Walker. In den nächsten Wochen wird die Freiburger Forschungsgruppe einen zweiten Anlauf unternehmen, die Tenofovir-Reinsubstanz zu bekommen. Bei der Gelegenheit sollen auch die Amerikanische und Europäische Arzneimittelzulassungsbehörden (FDA und EMEA) informiert werden.Wir werden weiter berichten.
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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