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Hamburg, 27. September 2004 -
Vor wenigen Wochen kam die Zulassung der amerikanischen FDA für zwei neue
Kombinationspräparate: Truvada® und Kivexa®. Bei beiden
Medikamenten wird es zwar noch etwas dauern, bis sie auch in Deutschland zugelassen bzw.
erhältlich sind, doch schon jetzt scheint sicher, daß sie die antiretrovirale Therapie
bereichern werden - denn beide Präparate werden mit jeweils einer Tablette einmal pro Tag die
Pillenzahl vieler Regime merklich reduzieren. Kivexa® (in den USA: Epzicom™) ist ein
Präparat der Firma GlaxoSmithKline und besteht aus 600 mg Abacavir (Ziagen®) und
300 mg 3TC (Epivir®). Die Firma scheint sich mit
dem schon bald drohenden Ende des
AZT-Patentschutzes nach neuen Möglichkeiten umzusehen und unternahm in den letzten Monaten
ungewohnt große Studien-Anstrengungen zu der Kombination aus Abacavir und 3TC. Eine ganze
Reihe von Studien konnten dabei zeigen, daß der Nukleosid-Backbone aus Abacavir und 3TC
mindestens genauso effektiv ist wie das aus AZT und 3TC bestehende Combivir®. In der
ZODIAC-Studie wurde gezeigt, daß Abacavir einmal täglich gegeben werden kann, in der
CNA30024-Studie war die Nicht-Unterlegenheit von Abacavir und 3TC gegenüber
Combivir® demonstriert worden. In der ABCD-Studie zeigte sich außerdem eine
vergleichbare antivirale Wirkung von Abacavir und 3TC mit der Kombination aus D4T und 3TC, bei
gleichzeitig weniger lipodystrophischer Nebenwirkungen (näheres dazu in HIVNET 2005!).
Wesentlicher Vorteil von Kivexa® ist hier sicherlich auch die jetzt mögliche
Einmalgabe pro Tag. Wichtig ist, daß man auch bei Verordnung von Kivexa® nicht
vergißt, daß durch den Bestandteil von Abacavir auch bei Kivexa® das
Risiko eines Hypersensitivitätssyndroms besteht. Patienten müssen hierüber genauso
intensiv aufgeklärt werden. Problematisch könnte auch die gemeinsame Gabe von
Kivexa® und einem NNRTI (Nevirapin und Efavirenz) werden. Wenn hier eine Allergie
auftritt, ist eine Differentialdiagnose zwischen NNRTI-Rash und Abacavir-Hypersensitivität oft
schwierig. Mit der EU-Zulassung für Kivexa® rechnet die Firma Ende des
Jahres. Truvada® ist ein Präparat der Firma Gilead und besteht
aus 300 mg Tenofovir (Viread®) und 200 mg FTC (Emtriva®). Bislang gab
es zu dieser Kombination keine Daten. Daß die FDA nun dennoch grünes Licht gab, lag
vermutlich an den vorläufigen Ergebnissen der 934-Studie. In dieser in den USA und in Europa
laufenden Studie an therapienaiven Patienten werden FTC und Tenofovir offen gegen AZT und 3TC
getestet (alle Patienten erhalten als drittes Medikament Efavirenz). Die Firma war von den
Ergebnissen so angetan, daß sie sogleich eine Pressekonferenz einberief und nicht mehr bis zum
nächsten Kongress warten mochte (die Daten sollten eigentlich erst Ende des Jahres
präsentiert werden). Nach den vorläufigen 24-Wochen-Daten sieht es so aus: Von den insgesamt 487 Patienten erreichten 88 % der Patienten unter FTC und
Tenofovir eine Viruslast unter 400 Kopien/ml - verglichen mit 80 % im AZT/3TC-Arm. Der Unterschied
war signifikant! Nur 3 % versus 9 % der Patienten mußten die Therapie aufgrund
unerwünschter Nebenwirkungen abbrechen. Auch wenn es nicht ganz unproblematisch erscheint, die
Daten einer solchen Studie schon so früh publik zu machen, so scheint es wahrscheinlich,
daß internationale Therapieempfehlungen mal wieder revidiert werden müssen - hier ist
noch AZT und 3TC der am meisten empfohlene Nukes-Backbone. Wahrscheinlich wird das Präparat
gegen Ende des 1.Quartals 2005 verfügbar sein.
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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