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Natürliche Immunität gegen HIV: Was haben
"Long-term-non-progressors", das andere nicht haben?
von Georg Behrens
Schon seit vielen Jahren sind die HIV-Forscher auf der Jagd nach einem natürlichen Faktor,
der das Fortschreiten der HIV-Erkrankung aufhält. Grund zur Hoffnung gibt ihnen die
Beobachtung, daß einige Patienten trotz ihrer HIV-Infektion auch nach vielen Jahren keinen
Immundefekt entwickeln. Diese Patientengruppe der sog. "long-term-non-progressors" ist
daher für die Forschung von besonderem Interesse.size=2
Einzelne Besonderheiten der HI-Viren und Wirtsfaktoren (z. B. Co-Rezeptor-Polymorphismen,
CTL-Antwort) wurden immer wieder als Erklärung für die fehlende oder deutlich verlangsamte
Krankheitsprogression herangezogen. Schon oft glaubte man, einen löslichen Faktor gefunden zu
haben, der bei diesen Patienten gegen HIV wirkt. Bruce Walker war einer der ersten, die einen "CD8
antiviral factor" (CAF) beschrieb. Eine genauere Untersuchung dieses Faktors hinsichtlich Aufbau und
Wirkungsweise gelang jedoch nicht. Oft stellte sich heraus, daß es sich bei den CAFs um ein
Chemokin oder Zytokin handelt, das in seiner antiviralen Wirkung nicht recht überzeugen
konnte.
David Ho und seine Arbeitgruppe glauben nun, endlich den lange gesuchten natürlichen Faktor
X gefunden zu haben. Sie stimulierten die CD8+ T-Lymphozyten von "long-term-non-progressors",
"normalen" HIV-Patienten und gesunden Probanden, isolierten die in der Zellkultur angereicherten
Substanzen und verglichen sie zwischen den Gruppen. Mit aufwendigen Aufreinigungs- und
Analysemethoden (surface-enhanced laser desorption/ionization (SELDI) time-of-flight (TOF)
mass-spectrometry (MS) detection, kurz: ProteinChip-SystemÒ
) machten die Forscher in New York dabei eine Entdeckung: Die CD8-T-Lymphozyten der
"long-term-non-progressors" und vieler gesunder Probanden, nicht aber die von
HIV-Patienten mit einer Erkrankungsprogression produzieren eine Gruppe von Substanzen, die als
humane Defensine (human a
-Defensins-1, -2, and-3) identifiziert wurden. Diese Substanzen sind nicht völlig neu und
werden u.a. auch von Granulozyten sezerniert. In ersten Versuchen wiesen die aufgereinigten und auch
synthetisch hergestellten Defensine eine vielversprechende antivirale Wirkung im Reagenzglas auf.
Verständlicherweise schlugen die Herzen der Forscher vom Aaron Diamond AIDS Research Center
höher nach dieser Entdecklung. Allein, wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. Jay Levy, schon
seit vielen Jahren auf der Suche nach CAFs, würdigt die Arbeit der New Yorker, glaubt aber aus
eigener Erfahrung nicht, daß die Defensine eine ausreichende antivirale Aktivität
besitzen. Und Robert Gallo meint, daß erst mehr Patienten untersucht werden müßten
und daß eine einzelne Substanz(gruppe) nicht die ganze Geschichte der natürlichen
HIV-Immunität erklären wird. Die Jagd ist also noch nicht zu Ende.
Zhang L, Yu W, He T, et al. Contribution of human alpha-defensin 1, 2, and 3 to the anti-HIV-1
activity of CD8 antiviral factor. Science 2002; 298:995-1000.
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