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Nachrichten zur Übersicht "The Artist Formerly Known As Pneumocystis carinii"
oder: Die Pneumocystis carinii-Pneumonie gibt es nicht mehr - jedenfalls nicht beim Menschen
Otto Jírovec (*1907, +1972) ist seit 30 Jahren tot. Von HIV und AIDS
wusste der tschechische Forscher noch nichts. Dafür verstand er vermutlich einiges von
Parasiten, insbesondere von Pneumocysten, mit denen er sich schon in den 50er Jahren intensiv
beschäftigte. Als hätte er die AIDS-Epidemie voraus geahnt: auch die Toxoplasmose war ein
wichtiges Arbeitsfeld des Tschechen, dessen letzte wissenschaftliche Arbeit sich allerdings,
vielleicht etwas weniger bahnbrechend, um Aszites bei Goldhamstern drehte [1]. Nicht für die geretteten Goldhamster, sondern für seine Verdienste um
die Pneumocysten-Forschung wurde Otto Jírovec nun posthum großzügig belohnt [2] -
zwar nicht mit dem Nobelpreis, aber dafür mit der Umbenennung von Pneumocystis carini, dem
Erreger der PCP, der auch heute immer noch mit Abstand häufigsten AIDS-Erkrankung. Der Erreger Pneumocystis carinii wird nun fortan nach Otto Jírovec
benannt und Pneumocystis jiroveci heissen. Die Erkrankung
Pneumocystis-carinii-Pneumonie wird fürderhin Pneumocystis-Pneumonie genannt
werden - sofern die Kliniker tatsächlich machen, was die Mikrobiologen und Zoologen ihnen sagen
(die Abkürzung PCP darf gottlob bleiben, das "C" steht nun für
-cystis). Muß das sein?, fragt man sich, unlustig. Antwort: Es muss wohl,
tatsächlich. In den letzten Jahren hat das Wissen um Pneumocysten, sicherlich vor allem durch
die AIDS-Epidemie, deutliche Fortschritte gemacht. Durch die DNA-Sequenzierung haben uns
Pneumocysten, die sich auch heute nur sehr schwer anzüchten lassen, viel von sich preisgegeben.
Seit 1988 weiss man, das Pneumocysten Pilze sind und keine Protozen (Einzeller),
obwohl sie diverse Eigenschaften von Protozoen besitzen und anfällig für Protozen-Mittel
sind, und ihnen dafür das Ergosterol fehlt (deswegen wirken auch die klassischen Antimykotika
nicht!). In den 90er Jahren erkannte man, dass jeder Wirt, ob Ratte, Maus, Affe oder
Mensch, seine eigenen spezifischen Pneumocysten besitzt. Mit Maus-Pneumocysten kann man keine Ratte
anstecken, schon gar nicht Menschen. Umgekehrt funktioniert es auch nicht. Mit den DNA-Analysen wurde klar, dass Pneumocystis jiroveci sich von anderen
Pneumocysten ziemlich deutlich unterscheidet. Und sich sonst, sowohl örtlich (sehr
ähnliche DNA-Stränge von Zimbabwe über Brasilien und die USA bis nach
Großbritannien) als auch zeitlich (seit 1968, abgesehen von Sulfa-Resistenzen, kaum
Änderungen) ziemlich stabil verhält. Allerdings existieren auch bei Pneumocystis jiroveci
genetische Varianten, die Aufschluß geben über den Infektionsweg. So nähren
zahlreiche Indizien mehr und mehr den Verdacht, dass bei der PCP eine Neuinfektion wahrscheinlicher
ist als die Reaktivierung einer bestehenden Infektion - bei Patienten mit PCP-Rezidiven wurde bei
jeder neuen Erkrankung neue genetische Varianten gefunden. Patienten erkranken an jenen
Pneumocystis-Varianten, die in ihrer aktuellen Umgebung vorkommen und nicht an jenen, die am
Geburtsort prävalent sind - die Infektion muss also erst kurz zurückliegen. Die von Antonio Carini im Jahre 1910 erstbeschriebene Pneumocystis-Spezies,
Pneumocystis carinii, findet sich jedenfalls, so weiß man inzwischen, ausschließlich bei
Ratten. Nach einem Provisorium, in dem Pneumocystis jiroveci (von sehr Spitzfindigen) noch
"Pneumocystis carinii formae specialis hominis" genannt werden musste, wurde nun im
letzten Jahr endgültig klar, dass der Erreger der PCP beim Menschen einen eigenen
vernünftigen Namen braucht. Auf einem Workshop wurde die Umbenennung amtlich [3]. Also: Pneumocystis carinii lassen wir den Ratten, und beim Menschen
bekämpfen wir in Zukunft Pneumocystis jiroveci. Und die PCP wird es weiter geben. Eine Frage
bleibt jedoch: Was hätte wohl Antonio Carini dazu gesagt? Der Italiener (*1872, +1950) kann
sich nicht mehr wehren... Literatur und Link [1] Meiser J, Kinzel V, Jirovec O. Nosematosis as an accompanying infection of
plasmacytoma ascites in Syrian golden hamsters. Pathol Microbiol (Basel). 1971, 37:249-60. [2] Stringer JR, Beard CB, Miller RF, Wakefield AE. A New Name (Pneumocystis
jiroveci) for Pneumocystis from Humans. Emerg Infect Dis 2002, 8:891-6. [3] Stringer JR, Cushion MT, Wakefield AE. New nomenclature for the genus Pneumocystis. Proceedings of the Seventh International Workshops on Opportunistic Protists. J Eukaryot Microbiol 2001; Suppl:184s-9s. |
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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