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Wie gewonnen, so zerronnen ?
Wie lange die CD4 Zellen unter Therapiepausen halten

von Philip Aries

Ein klassisches Dilemma: Herr B. ist auf seiner ungefähr zehnten Therapie einer Mega-HAART-Kombination, die er lange gut vertragen hat. Jetzt aber steigen die Transaminasen in beunruhigender Weise an. Eine Therapiepause wird vereinbart. Daraufhin die bange Frage des Patienten: "Wie lange wird das gut gehen ? Kann ich auf neue Medikamente, z. B. das T-20 warten, bevor ich wieder anfangen muss".

Um hier eine Radio-Eriwan-Antwort zu vermeiden, greife man auf die Ergebnisse einer kürzlich im JID erschienen Studie zurück [1]. Untersucht wurden 72 Patienten, welche alle für mehr als drei Monate recht suffizient mit einer Viruslast < 500 Kopien/ml behandelt waren und dann für mindestens 12 Wochen, im Mittel aber 45 Wochen, die Therapie unterbrachen. Die meisten der Patienten waren Männer, das durchschnittliche Alter betrug 35 Jahre. Die durchschnittliche CD4 Zellzahl vor Therapiebeginn betrug 285 Zellen/µl, der mittlere Anstieg der Zellen unter Therapie, bevor diese unterbrochen wurde, war 264 Zellen/µl. In der Therapiepause fiel die CD4 Zellzahl bei den meisten Patienten recht zügig zwischen 6-34 Zellen/µl im Monat ab. Im Mittel wurde ein monatlicher Abfall von 16 Zellen/µl berechnet.

Es schien so, als wäre der Abfall in den ersten 12 Wochen am rasantesten und würde sich dann etwas verlangsamen, statistisch war das aber nicht signifikant. Den größten Einfluss auf die Geschwindigkeit des CD4-Verlustes hatte das vorherige Ausmaß des Anstieges der CD4-Zellen unter Therapie. Je erfreulicher die Zellen sich entwickelt hatten, um so rascher fielen sie wieder ab. Ebenfalls einen Einfluss hatte die Dauer der Therapie, die Höhe der Baseline-Viruslast, die CD4-Zellzahl am Ende der Therapie (nicht aber vor deren Beginn) und das Alter. Ältere Patienten mit einer geringeren Thymusreserve erreichten rascher wieder Schwellenwerte, wo mit der Therapie erneut begonnen werden musste.

Interessanterweise hatten die in der Therapie verwendeten Substanzklassen in dieser Auswertung keinen Einfluss auf die Nachhaltigkeit der CD4-Entwicklung. Etwa 50 % der Patienten blieben mit ihrer Viruslast im Beobachtungszeitraum der Pause unter dem vor Therapiebeginn gemessenen Wert. Rechnerisch ergab sich keine Korrelation zwischen dem Ausmaß des Anstiegs der Viruslast nach Absetzen der Therapie und der Zeit, bis die Pause aus Sicherheitserwägungen beendet und eine erneute ART angesetzt wurde. Vergleicht man den hier beobachteten durchschnittlichen Abfall von 16 CD4 Zellen/µl/Monat nach Therapie mit den Daten, die uns aus dem natürlichen Verlauf der unbehandelten HIV-Infektion zur Verfügung stehen (6,25/µl/Monat), dann ergibt sich die Frage nach der Qualität des durch antiretrovirale Therapie induzierten Zellgewinns. Und: Könnte es sein, dass die CD4-Zellen, die wir unter antiretroviraler Therapie im peripheren Blut messen, andere sind als die, die im Rahmen der HIV-Infektion verloren gehen?

Literatur und Link

Tebas P, Henry K, Mondy K, Deeks S, Valdez H, Cohen C, Powderly WG. Effect of Prolonged Discontinuation of Successful Antiretroviral Therapy on CD4+ T Cell Decline in Human Immunodeficiency Virus-Infected Patients: Implications for Intermittent Therapeutic Strategies. J Infect Dis 2002, 15 :186: 851-4 (Abstrakt)


 
 
     
 

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