![]() |
Home
Geschichte
|
HIV
Medicine
Wer ?
Was ?
FMI
|
Flying
Publisher
|
|
HIV.NET 2007 Nachrichten HAART Klinik Medikamente Kongressberichte Mailing-Liste
|
Nachrichten zur Übersicht
ART in Barcelona – womit anfangen?
von
Christian Hoffmann
ACTG 384 –
Studie wirft neue Fragen auf
In der
Late-Breaker-Session wurden vorläufige Daten einer der wohl ambitioniertesten
Studien vorgestellt, die in den letzten Jahren publiziert wurde [LbOr20A und
LbOr20B]. Um das Design dieser Studie zu verstehen, muss man ein bisschen
ausholen: In ACTG 384 sollten, als die Studien vor mehreren Jahren initiiert
wurde, mehrere damals relevante Fragen beantwortet werden: Ist ein
Vierfachregime besser als ein Dreifachregime? Sind PI-haltige Regime besser als
NNRTI-haltige Regime? Gibt es Unterschiede zwischen d4T+ddI und AZT+3TC als
Nukes-Backbone? Insgesamt 980 Patienten
wurden dafür auf insgesamt 6 Therapiearme randomisiert (siehe Tabelle). Die
Nukleosidanaloga wurden verblindet, die anderen Substanzen als Open-Label
verabreicht. Festgelegt wurde bei Therapieversagen jeweils auch das
Folgeregime. Als primäre Endpunkte galt die Zeit zum Therapieversagen des
ZWEITEN Dreifachregimes bzw. des Vierfachregimes. Das Therapieversagen konnte
dabei sowohl durch virologisches Versagen, als auch durch Toxizität oder
schlicht Beendigung der Studie bedingt sein. Als sekundäre Endpunkte galt die
Zeit bis zum Therapieversagen des ERSTEN Dreifachregimes und die Zeit zum
virologischen Versagen während des ERSTEN Dreifachregimes. Alles klar?
Primär- und Folgeregime in ACTG 384 Die vorläufigen Daten
nach einem durchschnittlichen Follow Up von inzwischen 28 Monaten (relativ
viele Abbrecher) sind ebenso interessant wie verwirrend. Sie sollen, weil
vorläufig, hier nur kurz wiedergegeben werden: AZT+3TC sind besser als d4T+ddI,
aber nur, wenn sie mit Efavirenz gegeben werden – bei einer Kombination mit
Nelfinavir gilt dies nicht. Umgekehrt war Efavirenz besser als Nelfinavir, aber
nur mit AZT+3TC als Backbone. Die Vierfachregime waren besser als alle
Dreifachregime zusammen, aber nicht im Vergleich zu dem besten Einzelregime
AZT+3TC+Efavirenz, bei dem allerdings relativ viele Patienten abbrachen. Die
Toxizität von d4T+ddI war höher als bei AZT+3TC. Was sagen uns diese
Resultate? AZT+3TC+Efavirenz ist eine gute Kombination in der Primärtherapie,
wenn sie denn vertragen wird. Eine Vierfachtherapie im Vergleich zu dieser
Kombination macht vermutlich nur wenig Sinn. Für den Einfluss der Medikamente
untereinander hatten die Autoren keine schlüssigen Erklärungen. Es gab auch
(noch) keine Daten zu Resistenzen. Man wird weitere Analysen abwarten müssen,
um die Ergebnisse dieser Studie, die sicherlich auch ein bisschen vom
medizinischen Fortschritt überholt wurde (Nelfinavir und die Kombination
d4T+ddI gerieten in der Zwischenzeit ein wenig ins Hintertreffen), wirklich zu verstehen. CLASS-Trial –
ist es wirklich egal, womit man anfängt?
John A. Bartlett von der
Universität North Carolina stellte mit dem CLASS-Trial eine Studie vor
[TuOrB1189], in der man sich ebenfalls dafür interessierte, welche
Primärtherapie die beste ist: Soll man zu zwei Nukes (hier: ABC+3TC) einen
geboosterten PI, ein NNRTI oder ein drittes Nukleosidanalogon geben? Auch hier
waren die Folgeregime schon festgelegt (die Patienten werden in diesen
Folgeregimen noch randomisiert, ob sie Abacavir weiter nehmen oder nicht),
siehe auch die Tabelle. Einzelne Medikamente durften mit klassengleichen
Substanzen ersetzt werden (zum Beispiel Nevirapin statt Efavirenz)
Design des CLASS-Trials Die vorläufigen
48-Wochen-Daten bei insgesamt 297 eingeschlossenen Patienten (zu über 70 %
Hispanics!) sagen bislang Folgendes:
Tabelle 2a. 48 Wochen-Daten des CLASS-Trials Die Unterschiede zwischen den einzelnen Armen bei
dem normalen VL-Assay bis 400 Kopien/ml waren nicht signifikant. Allerdings
zeigte sich beim ultrasensitiven Assays eine Signifikanz zugunsten des
NNRTI-Armes. Auch bei der Subgruppe der Patienten mit einer hohen Viruslast von
> 100.000 Kopien schnitt der NNRTI-Arm besser ab, zwischen den anderen
beiden Armen bestand hier interessanterweise kein Unterschied (geboostertes
PI-Regime gegen drei Nukes!) - obwohl man den Eindruck hat, dass die
virologische Versagerrate im Triple-Nukes-Arm relativ hoch war. Die Folgerung Bartletts
war trotz des leichten Vorteils des NNRTI-Armes, dass die hier gestesteten
Therapieregime wohl einigermaßen gleichwertig wären und dass man sich so auf
die individuellen Präferenzen der Patienten konzentrieren könne. Man darf auf
die 96-Wochen-Daten gespannt sein, wenn auch der Erfolg der Folgeregime
ausgewertet wird. |
|
Wichtiger Hinweis für die Leser
|
||||