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Therapieerfolg unter HAART: Reine Nervensache?
Studie zeigt, wie eng Nerven und Immunsystem verknüpft sind und daß die Aktivität des vegetativen Nervensystems sogar den Therapieerfolg beeinflussen kann

von Georg Behrens

03. Dezember 2001 - Seit langem ist bekannt, daß die Aktivität des autonomen (vegetativen) Nervensystems einen Einfluß auf Viruserkrankungen wie z.B. Herpes Virus-Infektionen haben kann. Ein typisches Beispiel: Streß begünstigt das Auftreten von Lippenherpes. Aber wie sieht das bei Retrovirus-Infektionen aus? Die Neurone des sympatischen Anteils des autonomen Nervensystems enden in den primären und sekundären Lymphorganen und setzen dort mikromolare Mengen von Noradrenalin in die T-Zell-reichen Areale frei. Noradrenalin kann in vitro die HIV-Replikation verstärken. Diese Erkenntnisse waren Grund genug für eine kalifornische Arbeitsgruppe eine interessante Studie zu beginnen [1].

Die Forscher bestimmten in einer kleinen Kohorte von HIV-Patienten vor Beginn einer HAART (mit Proteaseinhibitor) jeweils die Aktivität des autonomen Nervensystems (ANS) mit verschiedenen objektiven Methoden wie Messung des Hautwiderstandes, des RR-Abstands im EKG etc.

Die Patienten wurden klassifiziert nach niedriger, mittlerer und hoher Aktivität des ANS und ihre Viruslast und Helferzellen bzw. der Erfolg der HAART entsprechend beurteilt.

Als eindeutiges Ergebnis fanden die Autoren eine enge Beziehung zwischen Nervensystemaktivität und virologischen Parametern. Bei unhehandelten Patienten zeigte sich eine enge lineare Korrelation zwischen ANS und Viruslast: Je höher die ANS-Aktivität, desto höher die Viruslast. Patienten mit hoher ANS-Aktivität zeigten überdies ein hochsignifikant schlechteres Ansprechen auf die HAART (gemessen am Anstieg der Helferzellen und am Abfall der Viruslast) als Patienten mit niedriger ANS-Aktivität. Auch über die gesamte Kohorte korrelierte die ANS-Aktivität hochsignifikant mit dem Ansprechen auf HAART nach 3-11 Monaten. Unterschiedliches Alter der Patienten oder Virusresistenzen sind als Ursache unwahrscheinlich.

Die Ergebnisse von Laboruntersuchungen deuten auf die möglichen pathogenetischen Zusammenhänge. Die Inkubation von peripher mononukleären Blutzellen mit Noradrenalin erhöhte die Replikation von CXCR4- und CCR5-trophen HIV-1 Stämmen. Die Zellen wurden leichter infizierbar und zuvor nicht-infizierte Zellen begannen, Gene von HIV-1 zu exprimieren. Beta-adrenerge Antagonisten blockierten diesen Effekt, der wahrscheinlich über cAMP/Proteinkinase A vermittelt wird. Parasympatische Neurotransmitter wie Acetylcholin hatten keinen signifikanten Effekt auf die Virusreplikation.

Die Studie hat sicherlich einige Limitationen im Design, und weitreichende Schlußfolgerungen wollen auch die Autoren noch nicht ziehen. Aber die Resultate zeigen trotz (oder wegen?) einer geringen Fallzahl sehr enge lineare Beziehung zwischen individuellen konstitutionellen Unterschieden in der Aktivität des Autonomen Nervensystems und residuellen HIV-Replikation unter HAART. Damit wird wieder einmal klar, daß Therapieerfolg nicht nur aus Medikamenten, Compliance und Viren besteht, sondern sehr viel komplexere Strukturen den Therapieerfolg beeinflussen. Nerven, Psyche und Immunsystem sind eben doch enger verknüpft, als wir manchmal denken.

Literatur und Link:

[1] Cole SW, Naliboff BD, Kemeny ME, Griswold MP, Fahey JL, Zack JA. Impaired response to HAART in

HIV-infected individuals with high autonomic nervous system acitivty. Proc Natl Acad Sci USA 2001, 98:12695-12700. Abstract


 
 
     
 

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