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Zum Welt-AIDS-Tag: Ein Brief aus Kenia
Anläßlich des Welt-AIDS-Tages am morgigen 1. Dezember sind wir in den letzten Wochen mit einer Vielzahl von Einsendungen bedacht worden. Viele waren nett und konstruktiv gemeint, manche waren auch böse. Wir wollen oder können die meisten Briefe nicht veröffentlichen. An einem Brief kam die hivnet-Redaktion jedoch nicht vorbei. Dieser Brief hat uns sehr berührt. Es ist der (übersetzte) Brief von Caroline aus Kenia.

Sie schreibt:

30. November 2001 - Der Umstand in einem westlichen Land leben zu dürfen wirft ein neues Licht und Leben in das Herz und die Seele einer „Drittweltlerin“ aus Afrika. Das neue Leben begann nach dem Ja-Wort mit einem deutschen Mann und der Hoffnung, eine wundervolle Familie zu gründen.

Die Träume von Kinderlachen zerschlugen sich nach einer ärztlichen Untersuchung und es begann stattdessen eine Zeit der Trauer, der verlorenen Hoffnungen und sogar des Zählens meiner Tage auf dieser Erde.

Bei einem HIV-Test wurde festgestellt, dass ich positiv bin. HIV-positiv im Alter von 28 Jahren. Das war im August 1998. Es war ein Schock, dem viele durchgeweinte Tage und Nächte folgten. Ich sah den Tod so nahe, weil bei uns in Afrika jeder weiß, daß nach der HIV Infektion schnell die Hölle des Leidens durch AIDS folgt.

In schlaflosen Nächten betete ich um Hilfe. Das Lachen kehrte in mein Gesicht zurück und in meinen Augen war wieder Hoffnung und ich fühlte, dass mein Herz noch voll Liebe war für meinen Mann und meine zwei wundervollen Kinder die in Afrika - Gott sei gedankt - im Kreise meiner dortigen Familie leben. Ich habe ein neues Leben in mir. Ich lebe voll Energie und Zuversicht. Ich danke dem deutschen Arzt und dem Umstand, dass ich die beste Medizin und regelmäßige Untersuchungen bekomme. Mein Leben und ich sind wieder normal. Ich fühle mich gesund. Ich weiß, dass dies Geschenk des neuen Lebens gegen AIDS in Afrika nicht vorkommt. Ich nehme meine Pillen seit 2 Jahren und all die Qual, Trauer und Hoffnungslosigkeit sind verflogen. Ich bin wieder dieselbe zuversichtliche, intelligente und hilfsbereite junge Frau, die ich einmal war.

Vor drei Monaten besuchte ich meine Familie in Kenia. Während dieser Zeit wurde ich mit einem Alptraum konfrontiert, der mich zutiefst erschütterte. Bei einem Gang durch das Kenyatta Hospital sah ich AIDS-Tote, die wie Ziegelsteine auf einer Baustelle aufgestapelt waren. Die Körper wurden auf einen Lastwagen verladen, um in die Leichenhalle transportiert zu werden, wo die Angehörigen die Leichname abholen konnten, um sie zu beerdigen. Ich sah je vier AIDS Patienten in einem Bett, die dem Ende entgegen dämmerten. Ein isolierter Saal war voll mit diesen Betten. Es war grauenvoll. So wie in Kenia ist es sicherlich auch in anderen Staaten meines Kontinentes. Warum sterben tausende Menschen in einem Land während die verdammt teure Medizin in den örtlichen Apotheken verstaubt, weil niemand sie bezahlen kann ?

Weil meine eigenen HIV Medikamente (Combivir/Sustiva) in einer Tasche gestohlen wurden, musste ich mich auf die Suche nach meiner neuen Medizin machen. Ich musste durch halb Kenia reisen um die Medikamente zu bekommen. In den kleineren Städten waren nur abgelaufene Medikamente vorrätig, die von den Apothekern weiter verkauft wurden, aber niemand hatte das Geld die Medizin kaufen zu können.

Warum ist das so? Warum muß wegen eines Maximums an Profit ein großer Teil meines Volkes elend sterben? Wenn alle zu angemessenen Preisen die Medikamente kaufen könnten, wäre das nicht genug Verdienst? Steht eventuell sogar Absicht hinter dieser Kostenrechnung? Wird die Welt kleiner und die Armen haben zu gehen? Bitte schenkt auch den Armen Hoffnung !


 
 
     
 

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