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Neue Chance bei HBV/HIV-Koinfektion
21. November 2001 - Ungefähr
10 % der HIV-Infizierten weltweit leiden zusätzlich an einer chronischen
Hepatitis B. Bislang gab es neben Interferon nur 3TC (Lamivudin oder Epivir®),
das bekanntlich sowohl gegen HIV als auch gegen HBV wirkt. Resistenzen gegen 3TC treten jedoch relativ
schnell auf. Nach einem Jahr Behandlung finden sich bereits bei 15 bis 32 % der
Patienten HBV-Resistenzen. Da 3TC bei vielen HIV-Patienten seit Jahren ein
fester Bestandteil der ART ist, sind Resistenzen seitens des Hepatitis-B-Virus
hier besonders häufig. Bei HIV-Positiven waren früheren Studien zufolge nach
vier Jahren Behandlung sogar in 90 % der Fälle 3TC-Resistenzen vorhanden. Diese
Resistenzen stellen HIV-Patienten vor besondere Probleme: Wegen der
Immunsuppression können sich die Hepatitisviren besser replizieren, und es
besteht möglicherweise ein größeres Zirrhose-Risiko. Mit
dem Nukleotidanalogon Adefovir dipivoxil, im folgenden Adefovir, gibt es nun
für diese Patienten offenbar eine Alternative. Eine französische Arbeitsgruppe
untersuchte in einer Pilotstudie [1] die Sicherheit und Effizienz von Adefovir
bei insgesamt 35 HIV/HBV-koinfizierten Patienten, bei denen bereits eine
HBV-Resistenz gegen 3TC vorlag. 3TC wurde in der üblichen „HIV-Dosis“ (2 x 150
mg/die) weiter gegeben. Zusätzlich erhielten die Patienten offen und nicht
randomisiert über 48 Wochen hinweg täglich 10 mg Adefovir. Während des gesamten
Untersuchungszeitraums konnte ein antiviraler Effekt auf die
Lamivudin-resistenten HBV-Stämme gezeigt werden. Die HBV-Viruslast sank
anfänglich schnell – ungefähr um 1.5 log-Stufen in den ersten zwei Wochen – um
anschließend langsam und konstant um etwa 0.3 log-Stufen pro Monat weiter abzufallen.
Am Ende des Untersuchungszeitraums betrug der durchschnittliche
HBV-Viruslastabfall 4.01 log-Stufen.
Außerdem war es bei zwei Patienten zu einer HBe-Ag-Serokonversion
gekommen. Die Autoren spekulierten, dass eine verlängerte Behandlung mit
niedrig dosiertem Adefovir bei mehr Patienten zu einer Serokonversion führen
könnte. Die
Therapie wurde gut vertragen. Nur 4 der 35 Patienten mussten die Studie
abbrechen. Davon kam es bei zwei Patienten zu unerwünschten Nebenwirkungen (ein
Patient entwickelte in der siebten Woche einen Diabetes mellitus, ein anderer
Patient klagte über anhaltende Schlafstörungen). Ein Patient wurde wegen
mangelnder Compliance ausgeschlossen, bei einem weiteren führten persönliche
Gründe zum Abbruch. Bei keinem der Patienten kam es zur Dekompensation der
Lebererkrankung, allerdings trat bei 15 Patienten eine vorübergehende und
symptomlose Erhöhung der Alanin Aminotransferase (ALT oder GPT) im Serum auf. Aus
früheren Untersuchungen, als Adefovir noch gegen HIV getestet wurde, ist bekannt,
dass es bei höheren Dosierungen von 60 oder 120 mg zu einem reversiblen,
toxisch bedingten Anstieg der Nierenretentionswerte kommen kann. Deswegen
legten die Autoren ein besonderes Augenmerk auf die Veränderung der
Nierenwerte. Bei zwei Patienten stieg das Serum-Kreatinin um mehr als 0.5 mg/dl
an. Bei einem konnte Aciclovir als Ursache festgestellt werden. Ein anderer
Patient pausierte für vier Wochen mit seiner gesamten ART und dem Adefovir. In
der dann wiederaufgenommenen Therapie verzichteten die Untersucher auf das
Indinavir in der ART und es kam zu keinem erneuten Anstieg der
Nierenretentionswerte. Insbesondere in Kombination mit anderen nephrotoxischen
Medikamenten sollten daher, so fordern die Autoren, die Nierenwerte besonders
beobachtet werden. In
der vorliegenden Studie ist nur eine kleine Anzahl von Patienten untersucht
worden – Langzeitergebnisse stehen noch aus. Dennoch scheint Adefovir eine
vielversprechende neue Option in der Behandlung der Hepatitis B zu sein. Literatur: [1] Benhamou Y, Bochet M,
Thibault V, et al. Safety and efficacy of adefovir dipivoxil in patients
co-infected with HIV-1 and lamivudine-resistant hepatitis B virus: an
open-label pilot study. Lancet 2001, 358:718-23. Abstract |
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