![]() |
Home
Geschichte
|
HIV
Medicine
Wer ?
Was ?
FMI
|
Flying
Publisher
|
|
HIV.NET 2007 Nachrichten HAART Klinik Medikamente Kongressberichte Mailing-Liste
|
Nachrichten zur Übersicht
Kraftwerke ohne Kraft – wirklich der Grund für die Lipodystrophie?
von Georg Behrens 2. Mitochondrientoxizität/Hyperlaktatämie
12. November 2001 - Ulrich
Walker von der Universitätsklinik Freiburg präsentierte in einem Vortrag Daten
von Untersuchungen in Zellkulturen mit der Hepatomzelllinie HepG2. Die
Depletion von mitochondrialer DNA (mtDNA) war am schnellsten und
ausgeprägtesten während der Inkubation mit ddC, gefolgt von ddI, d4T und
schließlich 3TC und AZT. Außer bei AZT und der Kombination von AZT+3TC waren in vitro
die wichtigsten toxischen Effekte: Depletion von mtDNA, Reduktion von
COX-II-Expression (ein Atmungskettenbestandteil), Laktatanstieg,
intrazellulärer Lipidakkumulation und geringeres Zellwachstum. Unter AZT±3TC
war der Lakatatanstieg und Zelltod nicht mit einer mtDNA-Depletion verbunden. Erstmals
wurden in dieser Studie synergistische toxische Effekte bei der Inkubation von
zwei Nukleosidanaloga beobachtet und unterstützen somit ähnliche Vermutungen
aufgrund klinischer Beobachtungen. Shiramizu et al. (Abstract
# 20) erweiterten und bestätigten ihre schon in AIDS publizierten Ergebnisse. Sie
fanden im peripheren Fettgewebe von HIV-Patienten mit Lipodystrophie mit
erweiterten Methoden eine deutlich verringerte Menge an mtDNA im Vergleich zur
Kontrollgruppe. Die Autoren deuten das als Hinweis auf mitochondriale Schädigung als Ursache
des peripheren Fettverlustes. Eine andere Arbeitgruppe kommt aber zu ganz
gegensätzlichen Schlussfolgerungen. Die Autoren zeigten im Tierversuch mit ob/ob
Mäusen (genetisches Tiermodell für Lipodystrophie) zwar die Depletion der mtDNA
in Adipozyten unter Gabe von d4T, fanden aber keine Veränderungen im Fettmetabolismus
oder der Fettmasse und –verteilung (Abstract # 23). In der Zellkultur von
Präadipozyten (3T3-L1) fand dieselbe Forschergruppe in therapeutischen
Konzentrationen nach Inkubation mit d4T oder AZT normale Zellvitalität,
Lipogenese, mtDNA-Konzentration und –Funktion. Folglich sehen sie keinen
Zusammenhang zwischen Lipodystrophie und Mitochondrienschaden. Indirekte
Hinweise auf eventuelle Zusammenhänge zwischen mitochondrialer Toxizität und
Lipodystrophie wurden von einer spanischen Arbeitsgruppe berichtet. Patienten
mit Lipodystrophie hatten höhere Laktatspiegel und die Laktatkonzentrationen
korrelierten mit Parametern der Hyperlipidämie (Abstract # 33). Es scheint also
noch immer unklar, welcher Zusammenhang zwischen der mitochondrialen Toxizität
und abnormaler Fettverteilung besteht. Unterschiediche Zellkulturversuchen
kommen zu völlig gegensätzlichen Ergebnissen und der Nachweis von mtDNA
Depletion im Fettgewebe von Patienten ist nicht zwingend beweisend für eine
pathogenetische Rolle. Die Existenz von mitochondrialer Toxizität unter
antiretroviraler Therapie steht außer Frage. Aber was leitet sich daraus für
den klinischen Alltag ab? Was tun bei asymptomatischer Laktaterhöhung? Sind
regelmäßige Kontrollen von Laktatspiegeln sinnvoll? Eine Menge von Studien
suchte Antworten auf diese Fragen. Die nicht unbedingt beste aber sicherlich
umfangreichste Arbeit wurde von Graeme Moyle vom Chelsea and Westminster
Hospital in London vorgestellt. Insgesamt wurden 4361 Laktatmessungen bei 2069
Patienten durchgeführt, von denen 1239 Patienten antiretroviral behandelt
wurden. 8.7 % der behandelten Patienten hatten Laktatspiegel über 2.5 mmol/l
und 0.8 % über 5 mmol/l. Von den unbehandelten Patienten hatten 2 % ein Laktat
über 2.5 mmol/l. Wichtiges Ergebnis der follow-up Untersuchung bei 750
Patienten nach im Median 92 Tagen: Ein erhöhtes Laktat in der ersten Messung
hatte ein schlechten prädiktiven Wert für ein erhöhtes Laktat in weiteren
Messungen. Assoziationen von erhöhten Laktatspiegeln zum Krankheitsstadium,
-aktivität oder der Therapiedauer ergaben sich nicht. Ebenso fanden sich keine
Unterschiede zwischen Kombinationen, die entweder AZT oder d4T enthielten
(Dagegen sprechen jedoch die Beobachtungen anderer Studien). Die Therapie mit
Abacavir war mit einem geringeren Risiko für eine Hyperlaktatämie verbunden,
dagegen war die Behandlung mit ddI mit einem höheren Risiko vergesellschaftet. Daraus
schließen die Autoren, daß eine regelmäßige Laktatmessung zwar einfach, aber
bei symptomatischen Patienten auch von geringen Nutzen ist. Andere Studien
fanden übrigens eine überraschend hohe Rate von Hyperlaktatämien bei
unbehandelten Patienten (Abstract # 81 und # 88). Berücksichtigt man den
einzigartigen Umfang der Londoner Studie und die Tatsache, daß die Messungen im
“klinischen Alltag” aus einer breiten und wohl repräsentativen Auswahl von
verschiedenen Therapieregimen durchgeführt wurde, sind unselektierte
Laktatspiegelmessungen wohl nicht sinnvoll. Einer
immer wieder heiß diskutierten Frage widmete sich eine kleine Studie, die von
Michael Dubé vorgestellt wurde (Abstract # 53): Welchen Einfluß hat Lagerung
und Versand auf die Bestimmung von Laktat? Ergebnis: Wenn Plasmaproben
untersucht werden, die Natriumfluorid/Kaliumoxalat enthalten, lassen sich
akzeptable Ergebnisse noch nach 3 Monaten tiefgefrorener Lagerung gewinnen. Einmaliges
Einfrieren und Auftauen hatte keinen Einfluß. EDTA-Plasma ist für diese Art der
Behandlung jedoch völlig ungeeignet. Die Bestimmungen von Laktat in
verschiedenen Labors führte zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Deshalb
sollte bei Multizenterstudien unbedingt ein Zentrallabor bevorzugt werden. Fazit: Immer
mehr Daten bestätigen die mitochondriale Toxizität durch Nukleosidnanaloga, und
Kombinationen von Medikamenten wirken in ihrer Toxizität synergistisch. Welche
Rolle dieser Toxizität bei der Entstehung der Lipodystrophie zukommt, ist aber
noch immer nicht völlig klar. Routinemäßige Lakatatspiegelkontrollen unter
Therapie erscheinen nicht sinnvoll. Hinweis: Alle
Abstracts sind in einem Extraband in Antiviral Therapy 2001; 6 (suppl. 4)
erschienen. |
|
Wichtiger Hinweis für die Leser
|
||||