Home Geschichte HIV Medicine Wer ? Was ? FMI Flying Publisher
 
 
HIV.NET 2007

Nachrichten

HAART

Klinik

Medikamente

Kongressberichte

Mailing-Liste

Erweiterte Suche


Anregungen,
Kommentare


 
Nachrichten
zur Übersicht

Krebs und HIV
Lymphome, aber auch nicht-AIDS-definierende Malignome sind zu beachten

von Oliver Mittermeier

22. Oktober 2001 - AIDS-Patienten tragen einer großen epidemiologischen Studie [1] zufolge ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko - auch für solche Krebsarten, die üblicherweise nicht mit AIDS in Verbindung gebracht werden. In ihrer kürzlich in dem American Journal of Epidemiology veröffentlichten Arbeit verglichen Brian Gallagher und Kollegen die Krebsraten von über 120.000 AIDS-Patienten des Bundesstaates New York mit den Krebserkrankungen in der Allgemeinbevölkerung. Wie zu erwarten sahen die Forscher dabei eine erhebliche Häufung für die AIDS-definierenden Tumoren – Kaposi Sarkom, Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) und invasives Zervix-Carcinom. Darüber hinaus ergaben sich jedoch auch signifikante Häufungen für normalerweise nicht-HIV-assoziierte Tumoren wie Mundboden- und Kehlkopfkarzinome, Tumoren des Enddarms, Malignome der Luftwege sowie Hautkrebs, den Morbus Hodgkin und das Multiple Myelom.

Dabei könnten durch falsche Klassifizierungen Fehler aufgetreten sein. Dennoch, so Gallagher und Kollegen, sei das Krebs-Risiko für HIV-Patienten eindeutig erhöht: Nach den neuen Daten ist es etwa dreimal höher als das Risiko der allgemeinen Bevölkerung.

Neben Unterschieden bei den Geschlechtern der betroffenen Patienten war auch der HIV-Übertragungsweg von Bedeutung: So erkrankten Männer nach homosexueller Übertragung von HIV häufiger an Analcarcinomen sowie an Tumoren des Zentralnervensystems und des Bindegewebes. Männliche HIV-Patienten, die intravenös drogenabhängig waren, hatten hingegen ein größeres Risiko, an Bronchial-, Tracheal- oder Magenkrebs zu erkranken.

Bei heterosexuell infizierten Frauen ermittelten die Forscher ein gesteigertes Risiko für Malignome von ZNS, Verdauungstrakt und Gebärmutterhals. Bei durch intravenösen Drogengebrauch infizierten Frauen dagegen fand man ein gesteigertes Risiko für Tumoren von Bronchien, Lungen sowie Mundhöhle und Rachen.

Da die Patientendaten aus dem Zeitraum zwischen 1981 bis 1994 – also noch vor der Verfügbarkeit von HAART – stammen, ist für die heutige Zeit durch diese Studie keine eindeutige Risikoabschätzung möglich.

Es ist jedoch angesichts der nicht vollständig verstandenen Korrelation zwischen Krebs sowie Immundefekt und Kofaktoren wie Rauchen, Lebensführung und viralen Infektionen zu befürchten, dass HIV-Patienten trotz Immunrekonstitution weiterhin einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Dafür sprechen insbesondere die bislang widersprüchlichen Daten zu NHL-Inzidenzen. Diese scheinen in der HAART-Ära weit weniger zurückzugehen als opportunistische Infektionen. Mehreren Studien zufolge sind NHL inzwischen häufiger als das Kaposi-Sarkom und zählen mittlerweile zu den häufigsten AIDS-definierenden Erkrankungen.

Daher forderte Gallagher, dass "Patienten aufmerksam beobachtet werden sollten", denn Krebs sei "eine HIV-Komplikation mit einer hohen Erkrankungs- und Todeswahrscheinlichkeit".

Literatur:

[1] Gallagher B, Wang Z, Schymura MJ, Kahn A, Fordyce EJ. Cancer incidence in New York State acquired immunodeficiency syndrome patients. Am J Epidemiol 2001, 154: 544-56. Abstract:


 
 
     
 

Design:

 
 
 

  Wichtiger Hinweis für die Leser