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Cotrimoxazolallergie – Reexposition meist möglich
02. Oktober 2001 - PCP-Prophylaxen sind auch
im HAART-Zeitalter bei vielen Patienten immer noch unverzichtbar. Die dreimal
wöchentliche oder auch tägliche Gabe einer Tablette Cotrimoxazol ist dabei oft weit weniger lästig als die
Alternative der monatlichen Pentamidin-Inhalationen. Überdies ist Cotrimoxazol
auch als Toxo-Prophylaxe wirksam. Umso ärgerlicher ist es oft, wenn
anamnestisch eine Cotrimoxazol-Allergie besteht und auf Pentamidin oder gar auf
andere, meist noch weitaus nebenwirkungsreichere Prophylaxen ausgewichen werden
muß. Zwar kann eine leichte
Allergie durch eine vorsichtige Wiederaufnahme der Cotrimoxazol-Behandlung oft
durchbrochen werden, doch gab es bislang wenig verläßliche Daten zu solchen
Reexpositionsversuchen. Eine kontrollierte, randomisierte Studie aus den USA
verglich nun zwei Strategien an Patienten mit einer aus Fieber und/oder Ausschlag
bestehenden Cotrimallergie in der Vorgeschichte. Diese durfte jeweils nicht
lebensbedrohlich gewesen sein, mußte jedoch den Abbruch der Therapie erfordert
haben und mindestens acht Wochen zurückliegen. Eine Gruppe erhielt gleich
vom ersten Tag der Reexposition an – mutig, mutig - Cotrimoxazol in der
üblichen 480 mg-Dosis. Bei der anderen Gruppe (Eskalationsgruppe) wurde die
Dosis – verwendet wurde die Kinder-Suspension - innerhalb von sechs Tagen
langsam von 12.5, 25, 37.5, 50 und 75 auf 100 % der Dosis der 480 mg Tablette
gesteigert. Anschließend wurden beide Gruppen für mindestens sechs Monate unter
Cotrimoxazol beobachtet. Beide Gruppen erhielten spätestens einen Tag vor dem
Reexpositionsversuch zusätzlich Antihistaminika. Steroide wurden nach Bedarf gegeben.
Nach Studienbeginn im
Oktober 1995 wurde die Studie im Juni 1997 vorzeitig beendet, nachdem sich bei
den ersten 191 Patienten bereits signifikante Unterschiede herausgestellt
hatten. In der Eskalationsgruppe hatten 75.3 % gegenüber 57.4 % (p = 0.014) die
Therapie für mindestens sechs Monate durchgehalten. Zwar war ein Hautausschlag
mit rund 15 % in beiden Gruppen etwa gleich häufig, doch traten in der
Eskalationsgruppe signifikant seltener Fieber (7 % versus 18 %) und
Kopfschmerzen (0 % versus 9 %) auf. Nebenwirkungen, die zum Abbruch führten,
machten sich überwiegend in den ersten drei Wochen bemerkbar. Prädisponierende
Faktoren für einen erneuten Abbruch wurden nicht gefunden. Neben dem erstaunlichen
Umstand, daß auch in der Gruppe ohne Dosiseskalation ein großer Teil der
Patienten Cotrimoxazol offensichtlich problemlos vertrug, kam es
erfreulicherweise bei keinem Abbrecher in dieser Studie zu einer schweren,
lebensbedrohlichen Allergie. Kein einziger Krankenhausaufenthalt wurde nötig.
Einen Grund für diese geringe Komplikationsrate lag den Autoren zufolge
möglicherweise in dem Umstand, daß die Allergien jeweils mindestens acht Wochen
zurücklagen. Diese Zeit sollte vor Reexposition daher mindestens abgewartet
werden. Rund drei Viertel aller Patienten können sich so an Cotrimoxazol wieder
„gewöhnen“. Die Dosiseskalation über sechs Tage ist dabei in der Lage,
Kopfschmerzen und Fieber zu verhindern. Die Autoren weisen allerdings
ausdrücklich darauf hin, daß natürlich bei Patienten mit schweren Allergien in
der Vorgeschichte (zum Beispiel Stevens-Johnson-Syndrom) weiter große Vorsicht
geboten ist. Literatur Leoung GS,
Stanford JF, Giordano MF, et al. Trimethoprim-Sulfamethoxazole
(TMP-SMZ) Dose Escalation versus Direct Rechallenge for Pneumocystis Carinii
Pneumonia Prophylaxis in Human Immunodeficiency Virus Infected Patients with
Previous Adverse Reaction to TMP-SMZ. J
Infect Dis 2001, 184: 992-997. Abstract |
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