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Tenofovir als Transmissionsprophylaxe
31. August 2001 - Es wird geschätzt,
daß sich täglich etwa 1.700 Kinder perinatal mit HIV infizieren. Einfache und
wirksame Therapieregime zur Transmissionsprophylaxe sind daher dringend
erforderlich. Mit der HIVNET012-Studie zeigte sich, daß die kurzfristige Gabe
von Nevirapin das Transmissionsrisiko deutlich zu senken vermag [1]. Nevirapin
hat jedoch auch Nachteile. So treten sogar schon bei der einmaligen Gabe
K103N-Resistenzen auf. Auch ist Nevirapine nicht aktiv gegen HIV-2, einem in
bestimmten Regionen in Afrika häufig vorkommenden Subtyp. Durch die einfache Gabe, lange Halbwertzeiten und eine relativ hohe
Resistenzbarriere scheint Tenofovir eine geeignete Alternative zu Nevirapin zu
sein. Über die Substanz hat HIVNET bereits an anderer Stelle ausführlich
berichtet [2]. Die Substanz wurde jetzt erneut im Affenmodel getestet [3].
Dabei wurden insgesamt 13 neugeborene Affen perioral mit virulenten SIV-Stämmen
infiziert und in vier Gruppen unterteilt. Gruppe A bis C umfaßten jeweils vier
Tiere. Gruppe A erhielt Placebo, Gruppe B bekam 4 mg/kg Tenofovir jeweils vier
Stunden vor und 20 Stunden nach der Exposition. In der Gruppe C wurde Tenofovir 1 und 25 Stunden nach
Exposition verabreicht. Ein Tier erhielt Tenofovir subkutan (= Gruppe D). Die
Muttertiere blieben aus logistischen Gründen unbehandelt. Die vier mit Placebo behandelten Affenbabys entwickelten alle manifeste
Infektionen, in Gruppe B und C waren hingegen 3 bzw. 2 Tiere wie auch das Tier
aus Gruppe D nach fast 2 Jahren Beobachtungszeit infektionsfrei. Bei insgesamt
sechs von neun behandelten Tieren konnte somit die Infektion verhindert werden,
es bestand trotz der niedrigen Fallzahlen ein signifikanter Schutz (p =P = .0005). Neu gegenüber Vorstudien [4] war, daß auch sehr kurze, niedrig dosierte
Regime (eine oder zwei Dosen) effektiv waren und daß hierfür keine
Mitbehandlung der Muttertiere erforderlich war. Falls sich dieser Effekt auf den Menschen übertragen läßt, könnte
Tenofovir eine eventuell eine noch attraktivere Therapie als Nevirapine werden.
Angesichts der immer noch in vielen Regionen der Dritten Welt katastrophalen
Unterversorgung kann sich die Firma Gilead für diesen Fall schon mal auf
einiges gefaßt machen.... Literatur und Links [1] Guay LA, Musoke P, Fleming T, et al. Intrapartum and
neonatal single-dose nevirapine compared with zidovudine for prevention of
mother-to-child transmission of HIV-1 in Kampala, Uganda: HIVNET 012 randomized
trial. Lancet
1999, 354:795-802. Abstract [2] Aries P. Neues aus der Pipeline - Zulassung für Tenofovir beantragt.
HIVNET-Nachricht vom 12.5.2001
LINK [3] Van Rompay KK, McChesney
MB, Aguirre NL, et al. Two Low Doses of Tenofovir Protect Newborn Macaques
against Oral Simian Immunodeficiency Virus Infection. J Infect Dis 2001, 184: 429-438.
Abstract [4] Van Rompay KKA, Berardi CJ, Aguirre NL, et al. Two doses of PMPA
protect newborn macaques against oral simian immunodeficiency virus infection. AIDS 1998; 12: F79-83.
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