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Das endgültige Aus für Hydroxyurea ?
28. August 2001 - In einer jetzt in
AIDS erschienen Studie [1] zeigen Havlir und Kollegen, daß Patienten, die
Hydroxyurea (HU) zusätzlich zu ihrer antiretroviralen Kombinationstherapie
erhalten, ein schlechteres Outcome haben als Patienten ohne HU. Die Studie
musste wegen schwerwiegender Toxizität und Todesfällen früher als geplant
beendet werden. Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat
bereits auf diese Ergebnisse reagiert und der Packungsbeilage von HU eine
Warnung und einen Hinweis auf tödliche Nebenwirkungen insbesondere bei
Kombination mit ddI und d4T beifügen lassen [2]. Die FDA sieht die Gabe von HU
bei HIV-Infektion als nicht indiziert an und fordert, wenn es doch gegeben
werden sollte, eine engmaschigen Laborkontrolle, insbesondere der Leber- und
Pankreaswerte. Die oben genannte Studie war initiiert worden, da zuvor einige klinische
Studien [3-6] eine verbesserte antivirale Wirksamkeit von HU in Kombination mit
ddI im Vergleich zu nur ddI enthaltenden Kombinationen gezeigt hatten. Dieser
Effekt wurde einer synergistischen Wirkung von HU und ddI zugeschrieben - HU
wirkt durch Inhibition der Ribonukleotid-Reduktase und führt zu einer
Verminderung von dATP, was wiederum die kompetitive Potenz von ddATP, dem
aktiven Metaboliten von ddI, erhöht. Um festzustellen, ob diese erhöhte antiretrovirale Potenz von ddI plus
HU auch einen verbesserten Langzeiteffekt zur Folge hat, initiierte man eine
multizentrische, teilgeblindete, prospektive und randomisierte Studie an
insgesamt 202 HIV-positiven Patienten. Nach erfolgreicher mindestens
sechsmonatiger Initialtherapie mit IDV + ZDV + 3TC (CD4 > 200
Zellen/μl, HIV-Viruslast < 200 Kopien/ml) wurde eine Randomisierung in
drei Gruppen vorgenommen: Die erste Gruppe erhielt die Therapie weiter wie
zuvor, die zweite Gruppe IDV + ddI + d4T und die dritte Gruppe zusätzlich
Hydroxyurea zu IDV + ddI + d4T. Primäre Endpunkte waren Therapieabbrüche,
entweder durch einen virologischen „Rebound“ (definiert als bestätigte
Viruslast > 200 Kopien/ ml) oder aufgrund von Toxizität. Bei insgesamt 19.3 % der Patienten (39 Patienten) musste die Therapie
abgebrochen werden. Bei 7.9 % (16 Patienten) war dies aufgrund eines
virologischen Versagens, bei 11.4 % (23 Patienten) aufgrund von Toxizität der
Fall. In der HU-Gruppe mußte die Therapie in 32.4 % der Fälle (10.3 %
virologisches Versagen, 22.1% Toxizität) sehr viel häufiger abgebrochen werden
als in den anderen Gruppen (7.6 bzw. 17.6 %). Die Zeit bis zum Therapieversagen
war zudem kürzer. Die Daten zeigen, daß die Unterschiede in den primären Studienendpunkten
vor allem der Toxizität zuzurechnen sind. In einer Intention-to-treat-Analyse
wurde jedoch ohne Berücksichtigung der Toxizität auch ein erhöhtes
virologisches Versagen im HU-Arm gezeigt. Hauptursachen für den Abbruch der
Therapie wegen Toxizität waren in der HU-Gruppe in vier Fällen eine
Pankreatitis. Zwei dieser Patienten verstarben. Weitere Ursachen für das
Absetzen waren asymptomatische Erhöhung von Amylase bzw. Transaminasen,
periphere Neuropathie und Anämie. Ein weiterer Patient verstarb an einer
Aspirationspneumonie als Folge eines zerebralen Insults. In den
Vergleichsgruppen ohne HU erkrankten ebenfalls drei Patienten an einer
Pankreatitis. Eine Fall-Kontroll-Analyse konnte keine eindeutigen
Risikofaktoren für das Auftreten einer Pankreatitis ermitteln. Die
CD4-Zellzahlen waren nach Woche vier signifikant niedriger in der HU-Gruppe,
nach Woche 24 war jedoch kein Unterschied mehr feststellbar, es zeigte sich
jedoch keine Assoziation zwischen klinischen Ereignissen und CD4-Zellzahlen.
Eine signifikante Korrelation konnte für ein Therapieversagen bei HIV-RNA >
50 Kopien/ml, höheren Leukozytenwerten, früherem IVDA und Hepatitis
C-Antikörpernachweis gezeigt werden. Das Risiko der Toxizität im HU-Arm übertraf insgesamt bei weitem den
möglichen Vorteil der Langzeitverbesserung durch den synergistischen Effekt von
HU und ddI. Angesichts der jetzt vorgelegten Daten sollte der Einsatz von
Hydroxyurea – gerade in möglichen Salvage-Situationen – wirklich wohlüberlegt
sein. Literatur und Links: [1] Havlir DV, Gilbert PB, Bennett K et al. Effects of treatment
intensification with hydroxyurea in HIV-infected patients with virologic
suppression. AIDS. 2001, 15: 1379-88. Abstract [2]
Abstract [3] Montaner JS, Zala C, Conway B, et al. A pilot study of
hydroxyurea among patients with advanced human immunodeficiency virus (HIV)
disease receiving chronic didanosine therapy: Canadian HIV trials network
protocol 080. J Infect Dis 1997, 175: 801-6. Abstract [4] Biron F, Lucht F,
Peyramond D, et al. Anti-HIV activity of the combination of didanosine and
hydroxyurea in HIV-1-infected individuals. J Acquir Immune Defic Syndr Hum
Retrovirol 1995, 10: 36-40. Abstract [5] Rutschmann OT, Vernazza PL, Bucher HC, et al. Long-term
hydroxyurea in combination with didanosine and stavudine for the treatment of
HIV-1 infection. Swiss HIV Cohort Study. AIDS 2000, 14: 2145-51.
Abstract [6] Foli A, Lori F, Maserati
R, Tinelli C, Minoli L, Lisziewicz J. Hydroxyurea and didanosine is a more
potent combination than hydroxyurea and zidovudine.
Antivir Ther 1997, 2: 31-8.
Abstract
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