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Vermehrt Rhabdomyolysen - Lipidsenker Cerivastatin vom Markt genommen

von Christian Hoffmann

09. August 2001 - Cerivastatin (Lipobay®), ein relativ neuer Lipidsenker, der zu den HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren – den sogenannten Statinen – zählt, ist gestern von der Herstellerfirma Bayer mit sofortiger Wirkung weltweit vom Markt genommen worden. Die Substanz wurde bei HIV-Patienten mit Dyslipidämien zuletzt immer häufiger eingesetzt, da sie wegen ihrer wahrscheinlich geringer ausgeprägten Interaktionen mit Proteaseinhibitoren günstiger zu sein schien als andere Statine wie Lovastatin oder Simvastatin [1]. Diese führen  in Kombination mit Proteaseinhibitoren zu ganz erheblichen Interaktionen (hivnet berichtete).

Grund für den nun vollzogenen Schritt lagen in den zunehmenden Meldungen über Rhabdomyolysen, einer Zerstörung/Auflösung von Skelettmuskulator, die oft im akuten Nierenversagen endet. Zwar sind längst Rhabdomyolysen für alle Statine beschrieben und hoffentlich jedem Behandler bekannt, doch scheint insbesondere die Kombination von Cerivastatin mit anderen Fettsenkern (Fibraten) potentiell gefährlich zu sein. 

HIV-Patienten sind da keine Ausnahme - erst im April dieses Jahres war in AIDS ein Fallbeispiel zu einem HIV-Patienten publiziert worden, der eine schwere Rhabdomyolyse unter der Kombination Cerivastatin/Gemfibrozil entwickelt hatte. Die ART des Patienten bestand zu diesem Zeitpunkt aus AZT, ddI und Indinavir. Klinische Symptome und Laborwerte (initial CK 56.000 U/l, LDH 5.465 U/l !) besserten sich nach Absetzen beider Lipidsenker spontan. Die italienische Arbeitsgruppe hatte in ihrem Brief zugleich eine schöne Literaturzusammenstellung zu dem Thema geliefert [2].

Was jetzt tun? Patienten, die derzeit Cerivastatin einnehmen, sollten sich sicherlich zunächst bei ihrem Behandler melden. Diese sollten bei der Umstellung auf einen anderen Lipidsenker unbedingt die antiretrovirale Dauermedikation und mögliche Interaktionen beachten. Auch bei anderen Statinen ist in der Kombination mit Fibraten sicherlich Vorsicht angebracht, da gerade bei HIV-Patienten nur sehr wenige Daten existieren [3]. 

Ob noch eine Chance für Cerivastatin besteht, ist derzeit ungewiß. Angesichts des gestrigen Mediensturms, der in Form von reißerischen und oft undifferenzierten Berichten bis hinein in die Tagesschau und Tagesthemen wehte (Motto: „Börsianer“ parlieren über Pillen), scheint es aber unwahrscheinlich zu sein, daß Cerivastatin noch einmal wiederkommt.

Literatur

[1] Muck W. Rational assessment of the interaction profile of cerivastatin supports its low propensity for drug interactions. Drugs 1998, 56:15-23

[2] Mastroianni CM, d'Ettorre G, Forcina G, Lichtner M, Corpolongo A, Coletta S, Vullo V. Rhabdomyolysis after cerivastatin-gemfibrozil therapy in an HIV-infected patient with protease inhibitor-related hyperlipidemia. AIDS 2001, 15:820-1

[3] Henry, K., H. Melroe, J. Huebesch, et al. Atorvastatin and gemfibrozil for protease-inhibitor-related lipid abnormalities. Lancet 1998, 352: 1031-1032


 
 
     
 

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