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Je weniger Pillen desto besser
von Eva Wolf 08. August 2001 - Der Erfolg einer
antiretroviralen Therapie hängt von vielen Faktoren ab – als wichtige Einflüsse
neben der Compliance galten bisher zum Beispiel die Höhe von CD4-Zellen bzw.
Viruslast zur Therapiebeginn. In einer jetzt publizierten Metaanalyse [1]
zeigte sich, daß ein bislang eher wenig beachteter Faktor offensichtlich für
den Therapieerfolg eine weitaus zentralere Rolle spielt als bislang vermutet:
die Pillenzahl. John Bartlett und Kollegen
machten sich die Mühe, alle größeren klinischen Studien auszuwerten, die
zwischen 1994 und 2000 in Fachzeitschriften publiziert oder auf relevanten
HIV/AIDS-Kongressen vorgestellt wurden. In die Auswertung gingen schließlich 23
(meist randomisierte) Studien mit insgesamt 3.257 therapienaiven Patienten ein,
die in 31 unabhängigen Behandlungsgruppen mit 19 verschiedenen Regimen
behandelt worden waren. In 11 Studien war die Studienmedikation geblindet. Für die Metaanalyse wurden
folgende Daten ausgewertet: CD4-Zellzahl und Viruslast zu Beginn der
Behandlung, tägliche Anzahl an Tabletten (incl. Placebo) und als
Erfolgsparameter der Anteil der Patienten mit einer nicht nachweisbaren
Viruslast (< 50 Kopien/ml) nach 24 bzw. 48 Wochen (nach der
Intent-to-Treat-Analyse). Die Dreifach-Kombinationen wurden dabei nach den
Sustanzklassen in drei Gruppen aufgeteilt: in Therapieregime bestehend aus 2
Nukes plus 1 PI versus 2 Nukes plus 1 NNRTI versus 3 Nukes. Der Therapieerfolg für
die jeweilige Substanzklasse wurde als gewichteter Mittelwert angegeben. Die
Ansprechrate der entsprechenden Studie ging dabei mit dem Gewicht der
Patientenanzahl ein. Die so ermittelten
Ansprechraten unterschieden sich zwischen den Substanzklassen nicht signifikant
voneinander – der Erfolg einer Therapie lag bei 54 % bzw. 47 % nach 24 bzw. 48
Wochen. Der mittlere Anstieg der CD4-Zellen über alle Substanzklassen lag bei
160/µl. Auch hier zeigten sich keine statistisch signifikante Unterschiede
zwischen den Klassen. Um die entscheidenden
Faktoren für den Therapieerfolg zu ermitteln, wurde in einer multiplen linearen
Regressionsanalyse der Anteil der Patienten mit nicht nachweisbarer Viruslast
als Funktion der Baseline-CD4-Zellzahl, der Ausgangsviruslast (in Logstufen),
der Substanzklasse und der täglichen Anzahl an Tabletten dargestellt. Als alleiniger, statistisch
signifikant mit dem Therapieerfolg assoziierter Faktor erwies sich die tägliche
Pillenzahl - je weniger Pillen einzunehmen waren, desto lag höher die
Erfolgsrate. Diese Metaanalyse zeigt damit nicht nur, daß selbst unter
Studienbedingungen nach einem Jahr lediglich bei der Hälfte der Patienten eine
Viruslast unter der Nachweisgrenze zu erreichen ist, sondern auch – und zwar
erstmals - wie wichtig die Pillenzahl für einen ART-Erfolg ist. Überraschend ist
sicherlich, daß weder Substanzklasse, noch CD4-Zellzahl oder die Höhe der
Viruslast eine entscheidende Rolle spielten. Kritisch zu bewerten ist in diesem Zusammenhang allerdings,
daß in dieser Metaanalyse nur aggregierte Daten verwendet wurden, d.h. von den
jeweiligen Therapiegruppen gingen nur die CD4-Mittelwerte und die Medianwerte
der Viruslast ein. Da sich zum einen die mittleren CD4-Zellzahlen und die
medianen Viruslastwerte in den einzelnen Therapiearmen kaum unterschieden und
zum anderen durch diese Vorgehensweise Extremwerte nicht berücksichtigt wurden,
konnte auf aggregierter Erbene der mögliche Einfluß einer hohen Viruslast oder
niedrigen CD4-Zellzahl auf individueller Ebene gar nicht erkannt werden.
Dennoch verdeutlicht diese Studie eindrucksvoll, wie wichtig es in Zukunft sein
wird, potentere und vor allem einfache Therapieregime zu finden. Literatur Bartlett JA, DeMasi R, Quinn J, Moxham C, Rousseau F. Overview of the
effectiveness of triple combination therapy in antiretroviral-naive HIV-1
infected adults. AIDS 2001, 15: 1369-1377. |
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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