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Strukturierte Therapiepausen in der chronischen HIV-Infektion
Geht da in Sachen „Impfung“ doch noch was?

von Christian Hoffmann

20. Juli 2001 - Der Wind steht derzeit nicht besonders günstig für strukturierte Therapiepausen (STI) – zumindest was chronisch HIV-Infizierte und die Möglichkeit einer endogenen Vakzinierung („körpereigene Impfung“) angeht. Im Gegensatz zur seltenen Situation einer akuten HIV-Infektion sind die Daten für diesen Ansatz in der chronischen HIV-Infektion bislang doch eher enttäuschend. Nun liefern zwei spanische Arbeiten in AIDS Hinweise dafür, daß sich die HIV-spezifische Immunantwort durch Therapiepausen bei lange Infizierten möglicherweise doch verbessern ließe - beide Studien kranken allerdings an den jeweils sehr geringen Patientenzahlen.

In der Gruppe um José Gatell [1] wurden zehn Patienten untersucht, die unter HAART für mehr als ein Jahr mit ihrer Viruslast unter der Nachweisgrenze waren. Die Patienten unternahmen jeweils drei STI hintereinander. Zwar zeigte sich erwartungsgemäß bei allen Patienten ein rascher Rebound, doch verlängerte sich die Verdopplungszeit des Virus zwischen der ersten und der dritten Unterbrechung signifikant. Ebenfalls erstaunlich: Immerhin 6 von 9 Patienten hatten anschließend einen niedrigeren viralen Setpoint erreicht als zur Baseline (zwischen 0.6 und 1.3 log niedriger). Diese Effekte korrelierten überdies mit der mittels ELISPOT bzw. auch in einem herkömmlichen Lymphoproliferationsassay meßbaren Verbesserung der HIV-spezifischen Immunantwort. Diese war zur Baseline bei keinem Patienten vorhanden, nach drei STI immerhin bei acht von neun Patienten.  

Ähnlich konzipiert war die Studie von Bonaventura Clotet und Mitarbeitern [2]. Hier wurden 26 Patienten entweder auf die Fortführung ihrer HAART (die seit > zwei Jahren die Plasmavirämie unter die Nachweisgrenze gedrückt hatte) oder auf jeweils drei STIs randomisiert. Auch hier zeigte sich in der STI-Gruppe eine Zunahme der viralen Verdopplungszeit (von 1.4 auf 1.9 Tage), auch hier entwickelten einige (vier von zwölf) Patienten eine meßbare – wenn auch schwache – HIV-spezifische Immunantwort, was sowohl für die CD4- als auch die CD8-Antwort galt. 

Beide Forschergruppern folgern recht optimistisch, daß wiederholte Therapiepausen möglicherweise doch geeignet sind, auch bei chronisch Infizierten die HIV-Immunabwehr wieder anzukurbeln. Aber auch wenn beide Studien sozusagen ins gleiche Horn stoßen, sind diese Resultate angesichts der Diskrepanz zu der sehr viel größeren SSIT-Studie [3], die zuletzt in Chicago vorgestellt wurde, nur mit großer Vorsicht zu beurteilen. Auch ist fraglich, wie lange solche Effekte anhalten. Andererseits zeigen beide jetzt publizierten Studien, daß STI – zumindest wenige hintereinander – relativ sicher sind. Zu Resistenzen kam es hier jedenfalls in keinem Fall.

Literatur und Links

[1] Garcia F, Plana M, Ortiz GM, Bonhoeffer S, Soriano A, Vidal C, Cruceta A, Arnedo M, Gil C, Pantaleo G, Pumarola T, Gallart T, Nixon DF, Miro JM, Gatell JM. The virological and immunological consequences of structured treatment interruptions in chronic HIV-1 infection. AIDS 2001, 15:F29-40. Abstract

[2] Ruiz L, Carcelain G, Martinez-Picado J, Frost S, Marfil S, Paredes R, Romeu J, Ferrer E, Morales-Lopetegi K, Autran B, Clotet B. HIV dynamics and T-cell immunity after three structured treatment interruptions in chronic HIV-1 infection. AIDS. 2001, 15:F19-27. Abstract

[3] Fagard C, Lebraz M, Gunthard H et al. SSITT: A Prospective Trial of Strategic Treatment Interruptions in 128 Patients. 8th CROI 2001, Chicago, Abstract 357


 
 
     
 

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