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Geht es wirklich immer ohne Toxo-Sekundärprophylaxe?
Die spezifische Immunantwort gegen Toxoplasmen wird bei steigenden CD4-Zellen meist verbessert. Aber eben nicht immer – fast ein Fünftel bleibt ohne Abwehr

von Christian Hoffmann

3. Juli 2001 - Die cerebrale Toxoplasmose ist noch immer die häufigste opportunistische Infektion des ZNS bei HIV. Eine randomisierte Studie zeigte im letzten Jahr anhand relativ kleiner Patientenzahlen, daß ein Absetzen der Sekundärprophylaxen (also bei Patienten, die eine Toxoplasmose erlitten haben) möglich ist, wenn die CD4-Zellen angestiegen sind [1]. Auch andere Arbeitsgruppen berichteten ebenfalls von ermutigenden Resultaten [2,3].

Angesichts der intracerebralen Persistenz der Erreger und der Gefährlichkeit der Erreger zögern jedoch viele Behandler vor allem in den USA, aber auch in Europa, noch mit dem Absetzen – ein zumindest bei einigen Patienten möglicherweise richtiges Vorgehen, wie jetzt eine französische Arbeitsgruppe zeigte [4].

Die Forschergruppe um Jean-Michel Molina untersuchte nämlich, was mit der Toxoplasmose-spezifischen Abwehr unter HAART passiert. Dazu wurden spezielle Labortests (unter anderem LPAs = Lymphocyte Proliferation Assay, Interferon-Produktion) vorgenommen, in denen die Immunantwort für spezifische Erreger gemessen werden kann. Es wurden insgesamt 97 Patienten mit positiver Toxo-Serologie - also mit früheren Kontakt mit dem Erreger - ausgewählt und in vier Gruppen eingeteilt.

Gruppe A bestand aus Patienten mit schlechten CD4-Zellen < 100/µl, Gruppe B aus Patienten mit CD4-Zellen von derzeit > 300/µl aber mit einem Wert von < 100/µl in der Vorgeschichte. In der Gruppe C waren Patienten, die stets eine CD4-Zellzahl > 300/µl aufgewiesen hatten. Zusätzlich wurden als Gruppe D noch HIV-negative Blutspender untersucht.

Mittels LPR liessen sich in den Gruppen A bis D in 20 %, 81 %, 86 % und 89 % eine positive Immunantwort auf Toxoplasmen nachweisen. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich bei der Messung der Interferon-Produktion. 

Bei ansteigenden CD4-Zellen findet somit in der Mehrzahl der Fälle eine Toxoplasmose-spezifische Immunrekonstitution statt. Die Autoren gaben jedoch zu bedenken, dass der Patientenanteil mit einer ausreichenden Toxo-Immunantwort von 20 % in Gruppe A eben lediglich auf 81 % in Gruppe B anstieg. Fast ein Fünftel der Patienten aus Gruppe B hatte somit trotz eines CD4-Zellanstiegs auf über 300/µl keine ausreichende Immunantwort für die Parasiten. Diese Patienten sind deshalb wahrscheinlich stärker rezidivgefährdet als andere.

Möglicherweise steht mit den hier verwendeten LPA-Tests ein diagnostisches Werkzeug zur Verfügung, mit dessen Hilfe “Risiko”-Patienten mit schlechter Immunantwort identifiziert werden können. Diese Patienten sollten ihre Toxo-Sekundärprophylaxe wohl besser fortführen.

Literatur

[1] Miro JM, Lopez JC, Podzamczer D. Discontinuation of toxoplasmic encephalitis prophylaxis is safe in HIV-1 and T. gondii co-infected patients after immunological recovery with HAART. Preliminary results of the GESIDA 04/98-B Study. 7th CROI 2000, San Francisco, Abstract 230 Abstract

[2] Soriano V, Dona C, Rodriguez-Rosado R, Barreiro P, Gonzalez-Lahoz J. Discontinuation of secondary prophylaxis for opportunistic infections in hiv-infected patients receiving highly active antiretroviral therapy. AIDS 2000, 14:383-6. Abstract

[3] Guex AC, Radziwill AJ, Bucher HC. Discontinuation of secondary prophylaxis for toxoplasmic encephalitis in human immunodeficiency virus infection after immune restoration with highly active antiretroviral therapy. Clin Infect Dis 2000, 30:602-3.

[4] Forunier S, Rabian C, Alberti C, et al. immune recovery under highly active antiretroviral therapy is associated with restoration of lymphocyte proliferation and interferon-y production in the presence of toxoplasma gondii antigens. JID 2001, 183: 1586-91 Abstract


 
 
     
 

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