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Als Routinetest ungeeignet
21. Juni 2001 - Unter schweren Laktatazidosen wird neben eine Laktaterhöhung von > 5 mmol/l eine gleichzeitige Senkung des Serum-Bicarbonats (unter 20
mmol/l) verstanden. Laktatazidosen sind eine bislang seltene, jedoch potentiell
lebensbedrohliche Komplikation unter der Behandlung mit Nukleosidanaloga
(NRTIs). Unter der Therapie mit NRTIs können Hyperlaktatämien Ausdruck einer
mitochondrialen Dysfunktion sein, da diese Substanzklasse das mitochondriale
Enzym g-Polymerase hemmen und die
Energiebereitstellung in bestimmten Körperzellen negativ beeinflussen
kann. Eine schwere Laktatazidose
präsentiert sich klinisch mit Übelkeit, Erbrechen, (abdominellem) Unwohlsein,
ausgeprägten Erschöpfungszuständen, Steatosis hepatis mit massiver Hypermegalie
und Luftnot. Bislang war unklar, ob sich schwere Laktatazidosen durch milde
Hyperlaktatämien voraussehen lassen. Eine prospektive Untersuchung der Western Australian HIV Cohort mit 349
Patienten gibt nun erste Antworten. In dieser in AIDS publizierten Studie [1]
wurde der longitudinale Verlauf der Laktatwerte in den verschiedenen
HAART-Regimen (stratifiziert nach Medikamenten, inklusive NNRTI und PI-Klasse)
untersucht. Die durchschnittlichen Laktatwerte stiegen nach Beginn mit HAART
bei allen Patienten an. Wichtig war dabei die Beobachtung, daß sich die
Laktaterhöhungen stabilisierten - nach einem initialen Anstieg der Laktate
unter HAART war kein weiterer Anstieg meßbar. Die bei mehr als 65 % der
HAART-Patienten zu beobachtende milde Hyperlaktatämie besaß insgesamt
allenfalls einen geringen prädiktiven Wert für das Auftreten einer schweren
Laktatazidose. Schwere Laktatazidosen können somit durchaus ohne vorhergehende
asymptomatische Hyperlaktatämie auftreten. In der d4T-stratifizierten Gruppe war der Anstieg signifikant höher als
in der AZT-Gruppe (1.63 mmol/l versus 1.40 mmol/l, p < 0.01). Die Behandlung mit d4T stellte sich als positiver Prädikator
für eine chronische Hyperlaktatämie heraus, unabhängig vom Einsatz der PI oder
NNRTI-Gruppen. Auch weitere Faktoren wie Alter, Geschlecht, Dauer der
HIV-Infektion oder Vorbehandlung mit anderen NRTIs, CD4-Nadir, Viruslast oder
HBV/HCV-Koinfektionen spielten keine Rolle. Alle weiteren Medikamente wiesen
keine signifikanten Unterschiede in den Laktatwerten auf. Die
Konsequenzen Sollte nun grundsätzlich bei allen Patienten unter HAART die Laktate
gemessen werden? Wie sind diese Werte zu interpretieren und welche Konsequenzen
sollten gezogen werden? Diesen Fragen widmete sich der niederländische Kliniker
Kees Brinkman, der sich bereits intensiv mit dem Thema Laktatazidose bei HIV
beschäftigt hat, im Editorial der gleichen Ausgabe von AIDS [2]. Nach Brinkmans Ansicht sollten Laktate angesichts des offensichtlich
geringen prädiktiven Werts bei asymptomatischen Patienten nicht routinemäßig
bestimmt werden. Bei Vorhandensein bestimmter klinischer Symptome wie starke
Abgeschlagenheit, nicht zu erklärender Gewichtsverlust, abdominelle Schmerzen,
Übelkeit, Erbrechen oder rasch sich entwickelnde Luftnot sollte jedoch auf
jeden Fall eine Laktatuntersuchung durchgeführt werden (cave: Blutabnahme am
nicht gestauten Arm, unverzügliche Laborverarbeitung). Für die Bewertung der
Laktatwerte gab Brinkman folgende Empfehlungen: Laktat < 2 mmol/l : Normal, keine Intervention
notwendig Lakat 2 - 5
mmol/l: Abwarten,
regelmäßige Wiederholung der Messung, bei Bikarbonat < 20 oder Symptomzunahme ggf. NRTI-Wechsel und ggf. supportive
Behandlung (Riboflavin/L-Carnithin) Laktat > 5 mmol/l: Wiederholung der Messung unter
standardisierten Bedingungen (in Ruhe). Bei Bestätigung und Azidosezeichen
NRTI-Stopp und supportive Behandlung (s.o.) Der Wechsel der NNRTIs (zum Beispiel von d4T zu Abacavir) ist laut
Brinkman in weniger schweren Fällen ebenfalls zu erwägen, dürfte sich im
individuellen Fall aufgrund der Resistenzlage jedoch oft nicht realisieren
lassen. Literatur: [1] John M, Moore CB, James IR, et al. Chronic
hyperlactatemia in HIV infected patients on antiretroviral therapy. AIDS 2001,
15: 717-723 [2] Brinkman K. Management of hyperlactatemia:
no need for routine lactate measurements. AIDS 2001, 15: 795-797 |
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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