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Die Immunrekonstitution unter HAART ist altersabhängig
Daten aus Euro-SIDA belegen Zusammenhang

von Christian Hoffmann

29. Mai 2001 - Die Immunrekonstitution unter antiretroviraler Therapie kann extrem variieren. Während bei einigen Patienten innerhalb kurzer Zeit rasante Zellzahlanstiege zu beobachten sind, dauert es bei anderen Patienten Jahre, bis sich bei den CD4-Zellen wirklich etwas bewegt. Bei manchen ist auch trotz langjähriger Virussuppression überhaupt keine numerische Verbesserung der CD4-Zellen meßbar. Verschiedene Faktoren, die das Ausmaß der Immunrekonstitution bestimmen (Korezeptorstatus, Ausmaß der Immunschwäche), konnten schon identifiziert werden. Einige kleinere Studien hatten überdies den Verdacht nahegelegt, daß auch das Alter der Patienten eine Rolle spielt, was vermutlich an der zunehmenden Thymusdegeneration im Alter liegt.

Daten aus Euro-SIDA scheinen derlei Vermutungen jetzt zu bestätigen [1]. In dieser multizentrischen, prospektiven Studie werden seit 1994 über 7.000 Patienten beobachtet. Daten von insgesamt 1.956 Patienten wurden für die vorliegende Studie ausgewertet. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede in der Immunrekonstitution in den einzelnen Altersgruppen - bei jüngeren Patienten war der CD4-Zellzahlanstieg nicht nur zu jedem Zeitpunkt deutlicher, sondern geschah auch signifikant schneller als in den älteren Patientengruppen. Diese Unterschiede waren  unabhängig von der CD4-Zellzahl zur Baseline, der Höhe der Viruslast oder dem verwendeten antiretroviralen Regime.

Ein Beispiel aus der multivariaten Analyse, in der die Patienten jeweils in vier Altersquartile (< 32.7, 32.7 - 37.1, 37.2 - 44.4, > 44.5 Jahre) unterteilt wurden: Wenn die Wahrscheinlichkeit eines Patienten unter 32.7 Jahre, einen CD4-Zellanstieg von mindestens 200/µl zu erreichen, bei 1.0 liegt, beträgt sie für Patienten zwischen 37.2 und 44.4 Jahren nur 0.71 (95 % Konfidenz-Intervall 0.60 – 0.85, p = 0.0002) und für Patienten über 44.5 Jahre nur noch 0.68 (0.56 – 0.81, p < 0.0001).

Diese Altersabhängigkeit könnte den Autoren zufolge tatsächlich die zunehmende Thymusdegeneration im Alter reflektieren. Bei jungen Menschen ist der Thymus hingegen noch intakt und damit vermutlich eine bessere Immunrekonstitution möglich. 

 

Literatur

 

Viard JP, Mocroft A, Chiesi A, Kirk O, Roge B, Panos G et al. Influence of age on CD4 cell recovery in human immunodeficiency virus-infected patients receiving highly active antiretroviral therapy: evidence from the EuroSIDA study. J Infect Dis 2001, 183: 1290-4.


 
 
     
 

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