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Nachrichten zur Übersicht
Neues aus der Pipeline
von Philip Aries 12. Mai 2001 - Die
Spatzen pfiffen es vermutlich schon länger von den Börsendächern, denn binnen
eines Monats stiegen die Aktien der Firma Gilead um mehr als 50 % - am 2. Mai
dann reichte Gilead den Zulassungsantrag für das Nukleotidanalogon Tenofovir
Disoproxil Fumarate (TDF, geplanter Handelsname: Aluviran®) bei der
amerikanischen FDA ein. Nukleotidanaloga
(NtRTIs) hemmen wie die Nukleosidanaloga (NRTIs) die Reverse Transkriptase,
indem sie als falsche Bausteine in die DNA eingebaut werden. Im Gegensatz zu
den NRTIs tragen die NtRTIs aber schon eine Phosphorgruppe und haben somit den
ersten von drei Aktivierungsschritten bereits hinter sich. TDF ist der verträglichere Nachfolger von Adefovir, dessen Zulassung
für die HIV Therapie im November 1999 von der FDA wegen renaler Toxizität
abgelehnt wurde und den Gilead jetzt in niedrigerer Dosierung weiter für den
Einsatz gegen Hepatitis B entwickelt. TDF hingegen wirkt nur gegen SIV und HIV,
ist gegen diese Viren dafür aber etwa doppelt so potent wie Adefovir. Bei
langer intrazellulärer und Plasmahalbwertzeit ist die einmal tägliche Einnahme
ausreichend. TDF wurde in einer Phase II Studie (Study 902) als Zusatztherapie („Add
on“) bei 189 Patienten mit stabiler Hintergrund-Therapie getestet [1]. Nach 24
Wochen wurde mit der heute empfohlenen 300 mg-Dosierung eine mediane Reduktion
der Viruslast von 0.83 log erreicht. Im Vergleich dazu stieg die Viruslast
unter Placebo um 0.28 log. Die kürzlich vorgestellten vorläufigen Ergebnisse
einer Phase III Studie (Study 907) mit 522 Patienten mit <100 CD4-Zellen/µl
oder AIDS, welche alle mindestens mit 2 PIs oder 1 PI und 1 NNRTI vorbehandelt
waren, klingen ähnlich positiv [2]. Die Patienten mit TDF als Zusatz profitierten
nach 24 Wochen mit einer 0.61 log-Reduktion der Viruslast, während die
Placebogruppe praktisch unverändert blieb (-0.03 log). Im Placeboarm waren zur
Woche 24 nur 13 % der Patienten < 400 Kopien/ml, während dies im TDF-Arm
immerhin 45 % der Patienten gelang. Der
Anstieg der CD4 Zellen ist in den bislang vorgestellten Studien allerdings
deutlich weniger eindrucksvoll als die Reduktion der Viruslast, was aber
möglicherweise mit dem Add on-Design zusammenhängt. Interessanterweise war die
Aussteigerquote in der 907-Studie in beiden Gruppen mit 6 % gleich niedrig, was
für die gute Verträglichkeit der Substanz spricht. Die häufigsten
Nebenwirkungen in der 902-Studie waren Laborwertveränderungen. Jeweils WHO Grad
3-4-Veränderungen waren für GOT (7 % im 300 mg TDF-Arm versus 0 % im
Placebo-Arm), GPT (4 % versus 0 %), Neutropenie (7 % versus 4 %) und Amylase (6
% versus 4 %) zu beobachten. Hinweise
auf einen nephrotoxischen Effekt von TDF liegen bislang nicht vor. Dennoch gilt
die begleitende Medikation mit potentiell nierenschädigenden Substanzen wie zum
Beispiel Indinavir als Kontraindikation für die Teilnahme an TDF Studien. TDF
wird nicht hepatisch metabolisiert, über die Niere ausgeschieden und hat keinen
Einfluß auf die p450 Enzyme der Leber. Unter TDF kommt es nicht zu dem unter
Adefovir beobachteten L-Carnitinmangel, so dass eine Substitution nicht
notwendig ist. Die größte Sorge bereitet den Verantwortlichen von Gilead der
Verdacht, dass TDF möglicherweise zu einer verminderten Knochendichte führen könnte.
Zwar ist dies bei den bislang behandelten Patienten noch nicht aufgefallen,
wohl aber bei Affen, die mit 10-30 mal höheren Dosierungen exponiert wurden.
Knochendichtemessungen nach 24 und 48 Wochen sind daher in die Protokolle der
derzeit laufenden Phase III-Studien integriert worden. Ein
wesentlicher Vorteil der Substanz liegt wahrscheinlich in ihrem besonderen
Resistenzprofil [3]. Zwar findet man unter TDF wie auch bei ddI und Abacavir
ein geringeres Ansprechen bei Viren mit der K65R Mutation, doch scheint das
Vorliegen der Multinukleosidresistenzmutation Q151M keinen ungünstigen Effekt
zu haben (wohl aber Insertionen am Codon 69). Viren mit der 3TC-induzierten
Mutation M184V sind sogar empfindlicher als Wildtypviren. TDF wird daher
besonders bei multipel NRTI vorbehandelten Patienten eine wertvolle
Therapieoption sein - am besten natürlich in Kombination mit Vertretern anderer
neuer Substanzgruppen wie dem Fusionshemmer T20, dem vermutlich nächsten
Präparat, das bei der FDA zur Zulassung ansteht. Die
Möglichkeiten TDF schon vor der Zulassung im Rahmen von Expanded
Access-Programmen zu erhalten sind allerdings sehr limitiert. Vermutlich nach
den schlechten Erfahrungen mit Adevofir, das immerhin schon 10.000 Patienten
erhalten hatten, bevor es dann zurückgezogen werden musste, verfolgt Gilead mit
TDF eine restriktivere Linie. Zwar sind entsprechende Programme inzwischen
nicht nur in den USA, sondern auch in UK und Frankreich angelaufen, aber die
Einschlußkriterien sind von der Firma derart strikt formuliert, dass zum
Beispiel in den USA bis Ende April nicht mehr als 70 Patienten rekrutiert
wurden. Wer
Nachfragen zu dem anlaufenden EA Programm in Europa hat, kann diese unter der
Telephonnummer 0033-1-44-90-34-46 stellen. Literatur, Links: [3] Miller MD, Margot NA, Schooley R, McGowan I.
Baseline and Week 48 Final Phenotypic Analysis of HIV-1 from Patients Adding
Tenofovir Disoproxil Fumarate (TDF) Therapy to Background ART. 8th Conference
on Retroviruses and Opportunistic Infections 2001. Abstract
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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