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Nachrichten zur Übersicht
Kaiserschnitt wirklich für alle ? von Philip Aries 24. April 2001Die
Reduktion der vertikalen Transmission bei Babys HIV infizierter Mütter ist eine
der großen Erfolgsgeschichten der Infektiologie der letzten Jahre. Begonnen hat
sie mit der Empfehlung die Babys nicht zu stillen. Dadurch wurde zumindest in
den entwickelten Ländern die
postpartale Transmission eliminiert, welche bis dahin für etwa ein Drittel der
Infektionen verantwortlich war. Eine
antiretrovirale Monotherapie mit AZT nach dem PACTG 076 Protokoll reduzierte
die Transmissionsrate in einer im New England Journal publizierten Studie von
25.5 % auf 8.3 % und gilt bis heute als therapeutischer Mindeststandard [1].
Weil die Babys, die sich dennoch infizierten, zumeist bei Geburt PCR negativ
waren, wurde angenommen, daß die Ansteckung erst unter der Geburt erfolgte. Die
Frage, ob ein Kaiserschnitt (elektive Sektio, eCS) zusätzlich vor HIV-Infektion
schützen kann, lag also auf der Hand. Erste kleinere und nicht randomisierte
Studien Mitte der 90er Jahre zeigten im Trend schon einen Vorteil für die
Kinder, die per eCS zur Welt gekommen waren. In Europa schnellte daraufhin die
eCS-Rate bei HIV-infizierten Mütter in die Höhe, während in den USA 1995 noch
weniger als 20 % der Mütter so entbunden wurden. Dies änderte sich erst 1999
mit der Publikation von zwei größeren Studien. In diesen konnte belegt werden,
dass eine eCS das Transmissionsrisiko auch bei AZT-behandelten Müttern
signifikant senkt. So reduzierte sich das Risiko in einer Metaanalyse von
Studien aus den USA und Europa durch eCS von 7 % auf 2 % [2] und in einer
randomisierten europäischen Studie von 4 % auf 1 % [3]. Seitdem findet sich die
Aufforderung zur eCS in den Empfehlungen der meisten Fachgesellschaften. Nun
hat sich aber seit der Erhebung der diesen Empfehlung zugrunde liegenden Daten
auf dem Gebiet der antiretroviralen Therapie einiges getan. Die Mehrzahl der
Frauen mit bekannter HIV-Infektion wird heute effektiv mit HAART anstatt mit
einer AZT-Monotherapie behandelt, und es besteht eine deutliche Korrelation
zwischen der Viruslast im Plasma der Mutter und dem Transmissionsrisiko. Zwar
ist dokumentiert, daß Transmissionen bei Babys von Müttern mit weniger als 500
Kopien/ml zum Zeitpunkt der Geburt stattgefunden haben – doch dürfte das Risiko
bei weniger als 1.000 Kopien/ml und guter CD4 Zellzahl unter HAART unabhängig
von der Art der Entbindung sehr niedrig sein und im Bereich von 1-2 % liegen
[4]. Es
scheint deshalb inzwischen an der Zeit, sich zu fragen, ob wirklich jeder
HIV-infizierten Frau empfohlen werden soll per Kaiserschnitt zu entbinden -
zumal selbst bei HIV negativen Frauen die Komplikationsrate bei einer eCS etwa
5-7 mal höher ist als bei einer vaginalen Geburt. Besonders Fieber, Pneumonie
und Anämie treten in großen Kohortenstudien nach eCS häufiger auf [5]. Im
letzten Jahr wurde eine Arbeit veröffentlicht, welche die Komplikationsraten
von HIV-infizierten Patientinnen mit denen von HIV-negativen Frauen verglich
und zu dem Schluss kam, dass besonders das Pneumonierisiko für die
HIV-infizierten Frauen nach eCS überproportional hoch war [6]. In der
letzen Ausgabe des Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes wurde nun
ein Teil der Ergebnisse der Women and Infants Transmission Study (WITS)
publiziert [7]. Insgesamt erlitten 15 % der 1.186 Mütter Geburtskomplikationen.
Alle Komplikationen zusammen betrachtet war eine eCS für die Frauen dreimal
gefährlicher als eine spontane vaginale Entbindung. Die aktuellen Empfehlungen
der US amerikanischen Perinatal HIV Guidelines Working Group schlagen daher
vor, Frauen mit einer Viruslast von < 1.000 Kopien/ml unter HAART
dahingehend zu beraten, dass eine eCS keinen nachgewiesenen Vorteil für das
Baby hätte, mit einem nicht unerheblichen Risiko für die Mutter einherginge und
somit eine vaginale Entbindung gut zu verantworten ist [8]. Literatur
und Links: [1] Connor EM, Sperling RS, Gelber R, et al. Reduction of maternal-infant transmission of human
immunodeficiency virus type 1 with zidovudine treatment. Pediatric AIDS
Clinical Trials Group Protocol 076 Study Group. N Engl J Med 1994, 331:1173-80.
(Abstract) [2] The
mode of delivery and the risk of vertical transmission of human
immunodeficiency virus type 1--a meta-analysis of 15 prospective cohort
studies. The International Perinatal HIV Group. N Engl J Med 1999, 340:977-87. (Abstract) [3]
Elective caesarean-section versus vaginal delivery in prevention of vertical
HIV-1 transmission: a randomised clinical trial. The European Mode of Delivery
Collaboration. Lancet 1999, 353:1035-9. (Abstract) [4]
Dorenbaum A, for the PACTG 316 Study Team. Report of results of PACTG 316: an
international phase III trial of the standard antiretroviral (ARV) prophylaxis
plus nevirapine (nevirapine) for prevention of perinatal HIV transmission.
Program and abstracts of the 8th CROI 2001, Chicago, Illinois. Abstract LB7. [5]
Nielsen TF, Hokegard KH. Postoperative cesarean section
morbidity: a prospective study. Am J Obstet
Gynecol 1983, 146:911-5. (Abstract) [6]
Vimercati A, Greco P, Loverro G, Lopalco PL, Pansini V, Selvaggi L.Maternal
complications after caesarean section in HIV infected women. Eur
J Obstet Gynecol Reprod Biol 2000, 90:73-6. (Abstract) [7] Read JS,
Tuomala R, Kpamegan E, et al. Mode of delivery and postpartum
morbidity among HIV-infected women: the women and infants transmission study. J Acquir Immune Defic Syndr 2001, 26:236-45. (Abstract) |
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