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Genotypische Resistenztests sind kosteneffektiv
Aufwändiges Rechenmodell liefert den Beweis - und sorgt hoffentlich für ein Umdenken der Krankenkassen

von Eva Wolf

11. April 2001 - Genotypische Resistenztests verbessern den Erfolg der antiretroviralen Behandlung. Dies konnte in großen kontrollierten Studien wie GART, VIRADAPT, NARVAL und CPCRA 046 gezeigt werden. Leider hat die Resistenzbestimmung noch immer keinen Platz im Leistungskatalog der Krankenkassen. Insbesondere bei den gesetzlich versicherten Patienten müssen deshalb Einzelanträge gestellt werden, die jedoch von den Krankenkassen bzw. vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen häufig abgelehnt werden.

In einer jetzt erschienenen Analyse [1] zeigte sich, dass die mit Hilfe genotypischer Resistenztests verbesserte antiretrovirale Therapie durchaus kosteneffektiv ist – und das trotz der hohen Kosten für die Tests. Mit ihrer sehr aufwändigen Modellrechnung (sogenannte Monte Carlo Simulation) zur Kosteneffektivität konnten die Autoren zeigen, dass unter Einbeziehung von genotypischen Resistenztests Kosten von 17.900 US-Dollar pro gewonnenes, Lebensqualität-adjustiertes Lebensjahr (QALY = quality adjusted life year) entstehen. Ein QUALY entspricht hierbei einem Jahr bei bester Lebensqualität bzw. Gesundheit oder einer längeren Zeit bei entsprechend geringerer Lebensqualität. In der vorliegenden Studie lag die zusätzliche Lebenserwartung durch genotypische Resistenztests bei ca. 0.2 – 0.3 QUALYs. Die Resistenztests sind hinsichtlich ihrer Kosteneffektivität somit deutlich günstiger als andere etablierte medizinische Interventionen wie zum Beispiel Lipidsenker.

Für die Simulation in dem hier verwendeten Rechenmodell mussten verschiedene Annahmen getroffen werden. Die Autoren orientierten sich dabei nur an großen Studien. So wurden die virologischen Erfolgsraten antiretroviraler Therapien mit und ohne Resistenztests den Studien VIRADAPT und CPCRA 046 entnommen. Daten zur Krankheitsprogression ohne bzw. mit antiretroviraler Therapie stammen aus der Multicenter AIDS Cohort Study sowie großen randomisierten Therapiestudien wie zum Beispiel ACTG 320. Die Viruslast wurde als Prädiktor für den Verlauf der CD4-Zellen eingesetzt. CD4-Zellzahl und vorausgegangene AIDS-Erkrankungen wurden als Surrogatmarker für den weiteren Krankheitsverlauf verwendet. Pro Test wurden Kosten von 400 US-Dollar einkalkuliert.

Was die große Palette der Annahmen und Voraussetzungen betrifft, so mag dieses Modell durchaus seine Schwächen haben. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich die Kosten der Resistenz-gesteuerten Therapie stets zwischen 15.000 und 25.000 US-Dollar pro QALY bewegten – selbst wenn die einzelnen Parameter wie Erfolgsraten, Progressionsraten oder Testkosten erheblich variiert wurden. Die antiretrovirale Therapie blieb dabei immer die Hauptdeterminante der Gesamtkostenentwicklung. Nach dieser Studie sind die Kosten genotypischer Resistenztests vergleichsweise moderat und amortisieren sich bereits nach einer gewonnenen Lebenszeit von nur wenigen Monaten. Sogar bei bislang nicht vorbehandelten Patienten sind Resistenztests nach den jetzigen Berechnungen kosteneffektiv – sofern die Prävalenz der Primärresistenzen über 4 % liegt.

Die hier vorgestellten Daten bilden somit eine wichtige Grundlage für die Einführung genotypischer Resistenztests in die klinische Routine – und führen hoffentlich auch zu einem Umdenken bei den hiesigen Krankenkassen.

 

[1] Weinstein MC, Goldie SJ, Losina E, Cohen CJ, Baxter JD, Zhang H, Kimmel AD, Freedberg KA. Cost-Effectiveness of Resistance testing in HIV. Ann Intern Med 2001, 134:440-450.

 


 
 
     
 

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