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Johanniskraut (Hypericum perforatum) senkt Indinavir-Spiegel in subtherapeutische Bereiche

Frankfurt, den 9. März 2000 - Wie gefährlich die Selbstmedikation mit "harmlosen pflanzlichen Medikamenten" sein kann, wurde kürzlich noch einmal durch pharmakokinetische Untersuchungen zu Indinavir und Johanniskraut belegt.

Johanniskraut steigert die Aktivität von Cytochrom P450-3A4, ein Enzym, mit dem auch Protease-Inhibitoren im Körper abgebaut werden. In einer Studie, die jetzt mit 8 Personen durchgeführt wurde, wurde nachgewiesen, daß die gleichzeitige Einnahme von Johanniskraut und Indinavir zu einer Reduktion der AUC um 57% führte. Schlimmer noch: Die Indinavirspiegel am Ende des 8-stündigen Einnahmeintervals waren bei gleichzeitiger Gabe von Johanniskraut im Median um 81% (range 49% bis 99%!!) niedriger als bei alleiniger Gabe von Indinavir.

Die Daten belegen, daß bei gleichzeitiger Gabe von Johanniskraut und Indinavir die Plasmaspiegel von Indinavir bei vielen Patienten nicht mehr im therapeutischen Bereich liegen. Die Folgen sind bekannt: Resistenzentwicklung und Therapieversagen.

Es ist davon auszugehen, daß auch andere Proteaseinhibitoren wie z. B. Saquinavir und Nelfinavir durch Johanniskraut in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden.

Prozedere:

Ärzte, die ihren HIV-Patienten zusätzlich zur antiretroviralen Therapie Johanniskraut verordnet oder dessen Anwendung gebilligt haben, sollten ihre Patienten wieder einbestellen.

Patienten, die zusätzlich zur antiretroviralen Therapie Johanniskraut eingenommen haben, sollten ihren HIV-Behandler aufsuchen.

Graphik

Literatur:
Piscitelli SC, Burstein AH, Chaitt D, Alfaro RM, Falloon J. Indinavir concentrations and St John's wort. Lancet 2000; 355: 547-8.
Abstract: http://amedeo.com/litera3.cfm?uid=10683007

 

 
     
 

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