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Zanamivir (RelenzaTM) bei HIV-Patienten?

Bericht von Jan-Christian Wasmuth, Universitaetsklinik Bonn.

Bonn, der 28. Januar 2000 / Die Grippewelle rollt. Nach der Hysterie der vergangenen Wochen, die zu zwischenzeitlichen Engpässen bei der Versorgung mit Influenza-Impfstoff geführt hatte, wird nun immer öfter die Frage nach einer Therapie mit Zanamivir gestellt. Zanamivir (RelenzaTM) ist ein zur Behandlung der Influenzainfektion zugelassener hochselektiver Hemmer der viralen Neuraminidase. Es verhindert das Ausschleusen von infektiösen Viren aus den Epithelzellen der Atemwege.

Zur Anwendung bei Patienten mit einer HIV-Infektion liegen keine klinischen Studiendaten vor. Es können daher keine expliziten Angaben zu Wirksamkeit und Verträglichkeit gemacht werden, sondern Ergebnisse aus laufenden Studien bei Patienten mit HIV-Infektion oder anderer Immunsuppression müssen abgewartet werden. Allerdings wurden durchaus bereits HIV-Patienten mit Zanamivir behandelt.

Nach diesen bisher vorliegenden Beobachtungen gibt es keine Unterschiede in der Wirksamkeit und auch Verträglichkeit gegenüber immunkompetenten Patienten. Auch vom Wirkmechanismus her ist keine Gefährdung für HIV-Patienten zu erwarten. Im Gegenteil, es sind bislang keine relevanten Medikamenteninteraktionen bekannt, was bei den vielfältigen HIV-Medikamenten ein Vorteil sein könnte. Die Gründe dafür sind, dass Zanamivir keinen Einfluß auf das Cytochrom P450 hat und dass durch die inhalative Applikation keine hohen Plasmaspiegel erreicht werden. Es scheint daher das Fazit erlaubt, dass es keine Gründe gegen die Anwendung von Zanamivir bei HIV-Infektion gibt, auch wenn die Wirksamkeit noch nicht wissenschaftlich belegt ist. Allerdings kann Zanamivir nicht die Prophylaxe, also die Impfung ersetzen!


Kurzprofil Zanamivir:

  • Zanamivir verkürzt die Zeit bis zur Linderung der wichtigsten Influenzasymptome um bis zu 2,5 Tage
  • Zanamivir mildert den Schweregrad der Influenzasymptome
  • Zanamivir wirkt durch Hemmung der viralen Neuraminidase von Influenza Typ A und B
  • Bislang wurden keine Anzeichen einer viralen Resistenz gegen Zanamivir festgestellt
  • Zanamivir ist sehr gut verträglich und hat ein dem Plazebo vergleichbares Profil

Nebenwirkungen sind "Nasale Symptome" (3%), Diarrhoe (3%), Übelkeit (3%), Kopfschmerzen (2%), Asthma-Exazerbation bei Patienten mit vorbestehendem Asthma bronchiale

Dosierung: Zwei Inhalationshübe (=10mg) zweimal am Tag für insgesamt fünf Tage

Mit der Therapie sollte innerhalb von 2 Tagen nach Beginn der Symptome begonnen werden

Weitere Informationen:
Informationen zu Zanamivir bei Glaxo Wellcome.

Empfehlungen der CDC zur Therapie mit Neuraminidase-Inhibitoren "Neuraminidase Inhibitors for Treatment of Influenza A and B Infections".


 

 
     
 

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