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Nachrichten 1999 zur Übersicht Viruslastunterschiede zwischen Männern und Frauen Bonn, 14. September 1999 - Die meisten Studien im Bereich der HIV-Infektion beschäftigen sich -historisch bedingt- hauptsächlich mit Männern. Erst in den letzten Jahren sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich geworden: So gibt es Hinweise, daß Frauen insgesamt niedrigere HIV-RNA Werte haben, ohne daß sich jedoch die Progressionszeit zu AIDS unterscheidet. Bei den meisten dieser Studien sind jedoch die Infektionszeitpunkte unbekannt, so daß es möglicherweise einen Fehler geben könnte, da Frauen insgesamt später infiziert wurden. In einer jetzt veröffentlichten case-control Studie ist es einer Arbeitsgruppe der Johns Hopkins Universität Baltimore gelungen, aus einer Kohorte von Drogenabhängigen (der ALIVE-Kohorte) 24 Patienten vom Zeitpunkt der Serokonversion bis zur AIDS-Diagnose zu verfolgen (progressors) (Sterling et al.; J Inf Dis 1999; 180: 666-672). Diese wurden mit 47 Patienten verglichen, die keine AIDS-definierende Erkrankung im Beobachtungszeitraum entwickelten (nonprogressors). Die Gruppen stimmten in ihren Charakteristika (Alter, ethnische Zugehörigkeit, etc.) sehr gut überein. Die initiale Viruslast für Frauen (n=10) der progressor-Gruppe lag bei 14 918 Kopien/ml, für Männer bei 148 354 Kopien/ml (n=14; p=0.001). Auch in der Kontrollgruppe war die initiale Viruslast bei Frauen niedriger (11 917 vs. 61 311 Kopien/ml; n=10 vs. 37; p=0.08). Über den Beobachtungszeitraum hinweg stieg die Viruslast bei Frauen schneller an als bei Männern, so daß sich die Werte der Viruslast im Laufe der Jahre anglichen. Diese Beobachtung galt für die progressors ebenso wie für die Kontrollgruppe der nonprogressors. Weitere wesentliche Unterschiede bestanden nicht zwischen den Geschlechtern, insbesondere die Zeit bis zum Auftreten von AIDS war vergleichbar. Die Ursache dieser Unterschiede ist unklar, entspricht aber den Beobachtungen einer "besseren" Immunantwort bei Hepatitis C, Impfung gegen Hepatitis A und B oder bei Röteln. Die Autoren bieten als Erklärungsmodelle unterschiedliche hormonelle Einflüßse, Unterschiede in der Lebensdauer der Helferzellen oder eine niedrigere Virusausgangsmenge an (letzteres, weil Frauen eher über Geschlechtsverkehr infiziert werden als Männer, dann aber vielleicht weniger Virus inokuliert haben könnten als durch intravenöse Übertragung). Trotz verschiedener Einschränkungen deuten die Ergebnisse klar auf einen Geschlechtsunterschied bei der HIV-Infektion hin und könnten bedeuten, daß man bei Frauen bereits bei niedrigeren RNA-Werten mit einer antiretroviralen Therapie beginnen sollte.
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