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Hydroxyurea - ein Update

Bonn, 18. August 1999 -

Hydroxyurea in der HIV-Therapie? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Eine ausführliche Übersicht von Franco Lori vom Research Institute for Genetic and Human Therapy, Washington, stellt den Stand der Dinge dar.

Die Wirkung von Hydroxyurea beruht auf immunmodulatorischen und antiviralen Effekten, die mit folgenden Modellen erklärt werden: Die Immunmodulation erfolgt über die zytostatische Aktivität. Zum einen wird die Zahl aktivierter CD4-Lymphozyten vermindert. Dadurch wird die Integration von Provirus und die HIV-Replikation in den aktivierten CD4-Zellen unterbunden (Hydroxyurea-CD4 Interaktions-Hypothese). Zum anderen wird die Zahl von aktivierten zytotoxischen CD8-Lymphozyten vermindert. Dadurch wird die Zerstörung von CD4-Lymphozyten durch zytotoxische CD8-Lymphozyten unterbunden (Hydroxyurea-CD8 Interaktions-Hypothese). Die von vielen Therapeuten angenommene Immunsuppression durch die zytostatischen Effekte spielt dabei offenbar keine entscheidende Rolle, da auch in der Therapie hämatologischer Erkrankungen trotz höherer Dosierungen keine wesentlichen immunologischen Probleme auftreten. Die antiviralen Effekte werde über eine Verminderung der Desoxynukleotid-Triphosphate (dNTP) erklärt, da die nukleosidalen Hemmer der Reversen Transkriptase (NRTI) bei einer Verminderung des zellulären dNTP-Pools bevorzugt in die entstehende DNA eingebaut werden und so die Reverse Transkription verstärkt hemmen. Weil besonders Desoxyadenosin-Triphosphat (dATP) von Hydroxyurea vermindert wird, ist die Kombination mit DDI besonders erfolgreich (im Gegensatz zum z.B. AZT, das mit

Desoxythymidin-Triphosphyat konkurriert). Über den gleichen Mechanismus wird erklärt, daß eine DDI-Resistenz durch Hydroxyurea "verbessert" werden kann: Der resistente Virusstamm bevorzugt dATP gegenüber DDI. Durch eine Verringerung des dATP-Pools wird DDI wieder häufiger eingebaut und als Hemmer der RT wirksam.

Daß es sich bei diesen Erklärungsmodellen nicht nur um Hypothesen handelt, ist mittlerweile in verschiedenen klinischen Studien bewiesen worden. Mit der Kombination aus Hydroxyurea und DDI lassen sich signifikante Reduktionen der Viruslast - auch bis unter die Nachweisgrenze -erreichen. Die Helferzellen dagegen steigen wegen der zytotoxischen Effekte nicht so stark wie mit anderen Kombinationen an. Allerdings betrifft die Zytotoxizität alle

Lymphozytenpopulationen, so daß durchaus eine Verbesserung der T4/T8-Ratio beobachtet werden kann, und zwar in ähnlichem Maß wie mit anderen Kombinationen.

Die Dosierung von Hydroxyurea ist nicht einheitlich. Meist wird eine Dosis von 500mg 1-0-1 angewendet. Eine kontrollierte Dosisfindungsstudie (RIGHT 702) hat in diesem Jahr begonnen. Die wichtigste Nebenwirkung ist die Knochenmarkstoxizität. In der (relativ niedrigen) Dosierung der HIV-Therapie von 1g/d tritt diese Nebenwirkung aber nur bei 5-7% der Patienten auf. Andere seltene Nebenwirkungen sind Alopezie, Übelkeit, Erbrechen, Transaminasenanstieg. Wie bei fast allen antiretroviralen Medikamenten verbietet die Teratogenität den Einsatz in der Schwangerschaft.

Der Stellenwert für Hydroxyurea in der HIV-Therapie ist nicht eindeutig. Lori empfiehlt den Einsatz in der First line-Therapie aus folgenden Gründen: Bislang ist noch keine Resistenz gegen Hydroxyurea beschrieben (im Gegenteil, Hydroxyurea verbessert die Wirksamkeit von NRTI), die Kurz- und auch die Langzeitverträglichkeit erscheinen sehr gut. Die Daten zum Einsatz in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien sind nicht so zahlreich. Vor dem Hintergrund der "Sensibilisierung" erscheint aber auch dieser Ansatz sinnvoll. Nicht zuletzt - für die meisten Patienten in den Industrieländern wird sich angesichts der zunehmenden Zahl von Medikamenten die Frage nach Hydroxyurea kaum stellen. Für die über 90% von HIV-Infizierten in anderen Ländern könnte Hydroxyurea aber eine sinnvolle, effektive u.U. lebensrettende Alternative darstellen.


 
 
     
 

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