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Viruslast und CD4-Zellen als Surrogatmarker

Bonn, 27. April 1999 - HIV-RNA und die CD4-Zellzahlen sind sehr gute unabhängige Marker des klinischen Outcome. Sie werden daher als Surrogatmarker (=Ersatz) für die langfristige Prognose von HIV-Patienten verwendet. Durch die Einführung der antiretroviralen Therapie, die ja einen Einfluß auf genau diese Marker hat, entstand die Frage, ob es weiterhin möglich ist, den langfristigen Krankheitsverlauf vorherzusagen und die beiden Laborparameter als Surrogatmarker des klinischen Outcome zu verwenden.

Dazu wurden jetzt Daten aus der DELTA-Studie  (Vergleich von AZT-Monotherapie mit AZT+DDI und AZT+DDC) analysiert. [1]1280 Patienten, von denen sowohl mehrere CD4- als auch HIV-RNA-Messungen vorlagen, konnten dabei ausgewertet werden. Mit sehr umfangreichen und aufwendigen statistischen Berechnungen (intention-to-treat Analyse; Cox proportional hazards Modell) wurden die klinischen Endpunkte Tod und Krankheitsprogression (d.h. Auftreten eines AIDS-definierenden Ereignisses) bewertet.

Dabei zeigte sich:

  • Die HIV-RNA zum Zeitpunkt 0 und ihre Änderung nach 8, 16 und 32 Wochen waren unabhängige Prädiktoren von Tod oder Krankheitsprogression. Zum Zeitpunkt 0 war das Risiko einer Krankheitsprogression für jede Logstufe mehr vierfach erhöht. Bei einer Abnahme der Viruslast nach 8 und 16 Wochen war das Risiko einer Progression für jede Logstufe um 43% bzw. 38% vermindert.
  • Die Progressionsrate wurde durch AZT+DDI (um 43%) und AZT+DDC (um 36%)  gegenüber der AZT-Monotherapie verringert.
  • Wenn aber eine Anpassung der Werte für die Änderung der HIV-RNA vorgenommen wurde, waren die Progressionsraten für beide Kombinationsarme höher.
  • Auch wenn Viruslast und CD4-Zellzahl gemeinsam als Surrogatmarker verwendet wurden, waren die Progressionsraten für beide Kombinationsarme höher.
  • Wenn eine Anpassung der Werte für die Änderung der CD4-Zellzahl vorgenommen wurde, waren wieder die Kombinationsarme überlegen. Allerdings war die Verminderung der Progressionsrate niedriger als bei der Auswertung ohne Anpassung.

Das bedeutet, daß der klinische Nutzen einer antiretroviralen Kombinationstherapie mit AZT+DDI bzw. AZT+DDC durch CD4-Zellzahlen als Surrogatmarker unterschätzt, durch die Viruslast überschätzt wird, genauso wie durch die Verwendung beider Parameter zusammen.

HIV.NET-Kommentar:
Die Auswertung der DELTA-Daten zeigt, daß der Effekt verschiedender Therapieregime auf den langfristigen klinischen Verlauf nicht durch Änderungen der Laborparameter Viruslast und CD4-Zellzahl verglichen werden kann.

Verschiedene Gründe mögen dafür verantwortlich sein: Es ist leicht vorstellbar, daß eine Änderung der Viruslast innerhalb eines Zeitraums von 3 Monaten Ereignisse, die 3 Jahre später auftreten, nicht vorhersagen kann. Faktoren wie Resistenzentwicklung, Compliance, Unerwünschte Wirkungen bzw. Toxizität der Therapie, Replikation in Virusreservoirs wie Lymphknoten machen die Vorhersage umso schwieriger.

Nichtsdestotrotz sind beide Marker unabhängige Prädiktoren der Krankheitsprogression, eignen sich gut für die Prüfung neuer Medikamente und werden weiterhin die besten Marker für die klinische Betreuung der Patienten bleiben.

Literatur
An evaluation of HIV RNA and CD4 cell count as surrogates for clinical outcome. Delta Coordinating Committee and Virology Group. AIDS 1999;13:565-73.

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