Nachrichten 1999
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Risikofaktoren für eine HIV-Infektion bei heterosexuellen Männern
Bonn,
21. April 1999 -
Risikogruppen und -faktoren einer HIV-Infektion sind durch epidemiologische Beobachtungen gut charakterisiert und scheinen oftmals offensichtlich zu sein. Schwer ist es aber, solche Parameter
prospektiv exakt zu messen. Das ist jetzt einer kenianischen Arbeitsgruppe aus Nairobi gelungen. In einer der letzten Ausgaben von AIDS veröffentlichten sie ihre Ergebnisse aus einer
prospektiven Kohortenstudie. [1]
Dazu wurden 1500 Angestellte von 6 Speditionsfirmen untersucht. 17,8% von ihnen waren HIV1-seropositiv. 992 HIV1-seronegative Männer wurden schließlich in die Studie eingeschlossen und
nach Möglichkeit alle 3 Monate bezüglich HIV1-Serokonversion, STD und Sexualverhalten untersucht bzw. befragt. 752 Patienten, bei denen mindestens ein Follow-up-Wert innerhalb des
4jährigen Beobachtungszeitraums vorlag, gingen letzlich in die Auswertung ein. Die jährliche Serokonversionsrate lag bei 3,1%. In der univariaten Analyse wurden als Risikofaktoren
identifiziert:
- Alter <25 Jahren
- <10 Jahre aktives Sexualleben
- Beschäftigung als Fahrer (Risiko etwa 4fach höher, als z.B. für
- Mechaniker)
- Dauer der Fahrten >14 Tage/Monat
- andere Religion als Christ oder Moslem
- keine Zirkumzision
- Sex mit einer Prostituierten
- Sex mit einer Gelgenheitspartnerin
- außerehelicher Geschlechtsverkehr
- Seropositivität für Treponema pallidum, Hämophilus ducrei oder Herpes simplex Typ 2 bei Studienbeginn
In der multivariaten Analyse blieben folgende unabhängige Risikofaktoren:
- <10 Jahre aktives Sexualleben
- Beschäftigung als Fahrer
- andere Religion als Christ oder Moslem
- keine Zirkumzision
- ungeschützter Sex mit Prostituierten
Der HIV.NET-Kommentar:
An einem großen Kollektiv wurden mehrere Risikofaktoren für die HIV1-Übertragung nachgewiesen. Besonders betont werden muß die Diskrepanz zwischen Wissen und
Verhalten: Nur 15% der Teilnehmer nutzten regelmäßig Kondome, wenn sie außerehelichen Geschlechtsverkehr hatten, obwohl 40% eine Person mit AIDS persönlich kannten und im
Rahmen der Studie kostenlos Kondome abgegeben wurden. Etwas überraschend ist die Assoziation mit der Religion, da sich die Teilnehmer verschiedener Religionen nicht wesentlich unterschieden.
Die Autoren vermuten, daß hier möglicherweise eine Überbewertung vorliegt, da nur 6% der Teilnehmer Nicht-Christen bzw. Nicht-Muslime waren. Im wesentlichen bieten die Ergebnisse
aber keine Überraschung, sondern bestätigen "offensichtliche" Risiken. Eines wird aber deutlich: Es darf kein Nachlassen in Aufklärung und Prävention der HIV-Infektion in allen
Berufsgruppen, Schichten und Altersgruppen geben.
Literatur
RAKWAR J, Lavreys L, Thompson ML, et al. Cofactors for the acquisition of HIV-1 among heterosexual men: prospective cohort study of trucking company workers in Kenya.
AIDS 1999;13:607-14.
Abstract