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Abacavir

Frankfurt, 8. Januar 1999 - Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat noch vor Weihnachten Abacavir zugelassen. Abacavir ist ein Hemmstoff der reversen Transkriptase wie AZT, 3TC, D4T u.a., hat jedoch eine stärkere antivirale Wirkung als diese. Die Kombination Abacavir + AZT/3TC (Combivir®) scheint nach den bislang vorliegenden Daten ähnlich gut wirksam zu sein wie klassische Dreifachkombinationen, jedoch stehen Langzeitdaten noch aus. Abacavir wird zweimal am Tag in einer Dosierung von jeweils 300 mg eingenommen. Siehe die ausführliche Beschreibung weiter unten.

Wichtig!
Abacavir ruft bei etwa 5% der Patienten eine sogenannte "Überempfindlichkeitsreaktion" hervor. Diese kann sich als Fieber, Hautausschlag (nicht immer), Abgeschlagenheit oder mit gastrointestinalen Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Bauchschmerzen) äußern. Bei Auftreten dieser Symptome muß das Medikament sofort abgesetzt werden, und der Patient ist gehalten, sich mit seinem Arzt zu verständigen. Da bei erneuter Gabe von Abacavir die Symptome innerhalb weniger Stunden in ausgeprägterer Form auftreten und u. a. über einen Blutdruckabfall zum Tode führen können, sollte Abacavir nach einer Überempfindlichkeitsreaktion nicht mehr eingesetzt werden.

In den USA sollen die Apotheker den Patienten bei jeder neuen Verschreibung von Abacavir ein "Warn-Kärtchen" und einen zweiseitigen sogenannten "Medication Guide" überreichen. Beide beschreiben die Symptome der Überempfindlichkeitsreaktion und geben entsprechende Verhaltensanweisungen. Zudem werden Einzelheiten zu den Einnahmemodalitäten von Abacavir erläutert.


Profil

Abacavir (Abkürzung: ABC) ist ein karbozyklisches Nukleosid-Analogon. Die Kombination Abacavir + AZT/3TC (Combivir®) scheint nach den bislang vorliegenden Daten ähnlich gut wirksam zu sein wie klassische Dreifachkombinationen, jedoch stehen Langzeitdaten noch aus. Ohne Zweifel ist die Vorstellung einer HIV-Therapie mit morgens und abends je 2 Tabletten verlockend, doch muß der Stellenwert von Abacavir im klinischen Alltag noch definiert werden.

Abacavir wird gut und zuverlässig resorbiert und hat eine akzeptable ZNS-Penetration. Es wirkt in vitro synergistisch mit Amprenavir, Saquinavir, AZT, DDC und DDI. HIV-Stämme von Patienten, die mit Abacavir behandelt wurden, wiesen Muationen an Kodon 65, 74, 115 und 184 der reversen Transkriptase auf. Diese führten zu einer 10fachen Reduktion der Virussensibilität gegen Abacavir und zu einem 5fachen Anstieg der IC50 für DDC und DDI. Die mutierten Stämme sind gegen 3TC resistent.

Handelsname, Zubereitung: Ziagen. Tabletten mit 300 mg (in Konfektionen zu 60 Tabletten), Saft mit 20 mg/ml in Flaschen zu 240 ml.

Pharmakokinetik: Bioverfügbarkeit >80%. Plasmaeiweißbindung 50%. Ausscheidung zu 85% im Urin in Form von Metaboliten, zu 15% im Stuhl.

Indikation: Behandlung der HIV-Erkrankung, immer in Kombination mit anderen Medikamenten.

Kontraindikation: Abacavir ist kontraindiziert bei Patienten, bei denen während einer früheren Abacavir-Behandlung eine Überempfindlichkeitsreaktion aufgetreten ist.

Dosierung: 2 x 300 mg. Abacavir kann zu den Mahlzeiten oder auf nächternen Magen eingenommen werden.
Dosierung bei Kindern zwischen 3 Monaten und 16 Jahren: 2 x 8 mg/kg bis zu einer Höchstdosis von 2 x 300 mg.

Wechselwirkungen: Abacavir wird nicht über das Cytochrom-P450-System metabolisiert, so daß Wechselwirkungen mit Protease-Inhibitoren nicht zu erwarten sind. Bei der gleichzeitigen Gabe von Abacavir mit 3TC ist die AUC von Lamivudin um 15% erniedrigt; bei gleichzeitiger Gabe mit AZT ist die AUC von AZT geringfügig (10%) erhöht.

Da Abacavir über das Enzym Alkohl-Dehydrogenase abgebaut wird, wurden auch die möglichen Interaktionen zwischen Abacavir und Äthanol untersucht. Bei gleichzeitiger Verabreicherung von 600 mg Abacavir und 0.7 g/kg Äthanol (dies entspricht etwa zwei 0.2l-Gläsern eines starken Rotweines) war die AUC von Abacavir bei 24 HIV-positiven Probanden um 41% erhöht, die Halbwertzeit um 26% verlängert. Abacavir hatte keinen Einfluß auf die pharmakokinetischen Eigenschaften von Äthanol.

Nebenwirkungen: Die wichtigste Nebenwirkung ist eine Überempfindlichkeitsreaktion. Sie tritt bei etwa 5% der Patienten auf, meist zwischen der ersten und der vierten Therapiewoche (median: 9 Tage; Bereich: 3 bis 42 Tage). Charakteristisch sind Fieber, Hautausschlag (dieser ist aber nicht obligat!), ausgesprägte Abgeschlagenheit und gastrointestinale Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Bauchschmerzen). Abacavir muß in diesen Fällen sofort abgesetzt werden. Die Beschwerden sind daraufhin innerhalb von 1 bis 2 Tagen rückläufig. Abacavir darf nach einem solchen Vorfall nicht noch einmal verabreicht werden, weil binnen einer bis zwei Stunden eine lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktion mit Blutdruckabfall auftreten kann.

In selten Fällen können eine Laktatazidose oder eine ausgeprägte Hepatomegalie auftreten. Abacavir sollte abgesetzt werden, wenn klinische Zeichen oder Laborabnormalitäten auftreten, die auf eine Laktatazidose oder auf eine ausgeprägte Lebertoxizität (bei Hepatomegalie auch ohne ausgesprägte Transaminasenerhöhungen) hinweisen.

Die Häufigkeit weiterer Nebenwirkungen, die jedoch nicht allein auf Abacavir zurückzuführen waren, wurde in Kombinationsstudien mit AZT und 3TC wie folgt angegeben: Übelkeit, 47%, Übelkeit/Erbrechen, 16%; Diarrhoe, 12%, Apetitlosigkeit, 11%; Schlafstörungen, 7%. Ferner wurden gesehen: Anämie, Neutropenie, CPR- und Transaminasenerhöhungen, Glukose- und Triglizeriderhöhungen.

Hinweise: Ärzte und Patienten müssen die Zeichen des Überempfindlichkeitssyndroms kennen, um bei dessen Auftreten Abacavir unverzüglich abzusetzen.



 

 
     
 

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