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Kind-zu-Kind-Übertragung im Krankenhaus

Frankfurt, 18. November 1998 - Ein kürzlich im Lancet veröffentlichter Leserbrief berichtet von einem Kind, das sich während eines Krankenhausaufenthaltes über ein anderes Kind mit HIV infizierte. [1]

Bei dem Kind war im Alter von 2 Jahren eine akute Lymphoblastenleukämie diagnostiziert worden. Während der folgenden 2 Jahre wurde eine Chemotherapie durchgeführt und eine komplette Remission erreicht. Das Kind erhielt während dieser Zeit 6 Erythrozyten- und 6 Thrombozytenkonzentrate. Ein weiteres Jahr später, im Alter von 5 Jahre, wurde wegen persistierenden Mundsoors und rezidivierender Infektionen ein HIV-Test gemacht. Der Test war positiv. Die Mutter und der Vater des Kindes und alle Erythrozyten- oder Thrombozytenspender waren, wie sich bei einer Kontrolluntersuchung herausstellte, jedoch HIV-negativ.

Da zusammen mit dem Kind auf der pädiatrischen Onkologiestation auch HIV-infizierte Kinder behandelt worden waren, wurde eine genetische Analyse der Virusstämme veranlaßt. Dabei fand man, daß der Stamm eines der HIV-infizierten Kinder im Vergleich zu dem des neu infizierten Kindes eine nur 3%ige Abweichung in einer Sequenz von 324 Nukleotiden aus der hypervariablen V3-Region des env-Gens hatte. Die Abweichung in einer Sequenz von 463 Nukleotiden aus der p17 gag-Region betrug nur 1%.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, daß im vorliegenden Fall HIV während des Krankenhausaufenthaltes von einem Kind auf das andere übertragen wurde. Eine nachträgliche Untersuchung zum genauen Hergang der Übertragung ergab keine eindeutigen Ergebnisse. Es wird vermutet, daß das neu infizierte Kind sich durch eine Nadelstichverletzung an Kanülen aus einer Entsorgungsbox im Zimmer des schon HIV-positiven Kindes infizierte. Die eingeschaltete dänische Gesundheitsbehörde beschränkt sich in einer Stellungnahme daher auch auf das Statement, daß eine horizontale HIV-Übertragung stattgefunden habe, deren genaue Dynamik jedoch nicht rekonstruiert werden könne.

Kommentar
Dieser Fall demonstriert - auch der Autor unterstreicht diesen Punkt - die Ausnahme von der Regel. Die Regel ist, daß HIV durch soziale Kontakte im Alltag nicht übertragen wird. Dies wurde schon Anfang der 90er Jahre durch umfangreiche Untersuchungen gesichert. [2] Selbst dort, wo - wie in onkologischen Abteilungen - die Vermeidung der Übertragung von pathogenen Keimen allerhöchste Priorität hat, muß in seltenen Fällen aber auch einmal mit unerwarteten Übertragungswegen gerechnet werden.

Literatur
1. Nielsen H. Nosocomial child-to-child transmission of HIV. Lancet 1998; 352: 1520.

2. Friedland G, et al. Additional evidence for lack of transmission of HIV infection by close interpersonal (casual) contact. AIDS 1990;4:639-44.
Abstract


 

 
     
 

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