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Nachrichten 1998
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Absetzen der CMV-Prophylaxe?

Frankfurt, 27. Oktober 1998 - Die disseminierte CMV-Infektion galt als nicht heilbare opportunistische Komplikation der HIV-Erkrankung, die eine lebenslange Suppressions-Prophylaxe notwendig machte. Rezidive der Erkrankung waren die Regel, und bis 1993 überlebten weniger als 30% der Patienten das erste Jahr nach der Diagnose.

Mit der Einführung der Protease-Inhibitoren und Dreifachkombinationsschemata hat sich der Verlauf der CMV-Infektion dramatisch geändert. Auf der diesjährigen ICAAC wurden mehrere Arbeiten vorgestellt, die die anti-CMV-Wirksamkeit der HAART-Regime belegen. Eine HAART unterdrückt asymtomatische CMV-Virämien [siehe 1 mit Link zu Abstract], vergrößert den Anteil der Patienten, die zwei Jahre nach der Diagnose leben, von 3% auf 75% (!) [2], und Rezidive, wenn sie denn auftreten, treten bis 4 Jahre nach der Erstdiagnose auf [3].

Die Frage, ob und wann eine CMV-Suppressionstherapie während einer HAART abgesetzt werden kann, wird unterschiedlich beurteilt. Erste Daten hierzu wurden schon auf der letztjährigen ICAAC vorgestellt und sehr vorsichtig kommentiert. Im Frühjahr dieses Jahres wurden dann Ergebnisse von 7 Patienten mit einer CMV-Retinitis in der Vorgeschichte publiziert, die gut auf eine HAART angesprochen hatten (Viruslast <200, CD4>150). Zum Zeitpunkt des HAART-Beginns lag die CMV-Episode 3 bis 16 Monate zurück, die mediane CD4-Zellzahl hatte 35 Zellen/µl und die mediane Viruslast 125.000/ml Plasma betragen. Nach Absetzen der CMV-Prophylaxe traten in den ersten 9 Monaten weder ein CMV-Rezidiv noch eine andere AIDS-definierende Erkrankung auf.

Kommentar:
Die verfügbaren Daten leiden an der kleinen Zahl. Dennoch ist offensichtlich, daß Patienten, bei denen es unter einer HAART zu einem deutlichen Rückgang der Viruslast und einem Anstieg der CD4-Zellen kommt, zumindest eine Teil-Immunkompetenz wiedererlangen, die zuvor verlorengegangen war. Ein Absetzen einer CMV-Suppressiontherapie erscheint in ausgesuchten Fällen daher möglich. IMMER sollte der Rat eines erfahrenen Spezialisten gesucht werden. Regelmäßige Kontrollen (Viruslast, CD4-Zellen, Augenkonsil) sind unumgänglich. Nach Möglichkeit Betreuung im Rahmen einer Studie.

Literatur

1. Deayton J, Mocroft A, Wilson P, et al. Highly active antiretroviral therapy (HAART) including protease inhibitors can completely suppress asymptomatic CMV viremia in the absence of specific anti-CMV therapy [Abstract I-268]. 38th ICAAC, San Diego, CA, 1998.
Abstract

2. Deayton J, Wilson P, Sabin C, et al. Changes in the natural history of CMV retinitis following the introduction of highly active antiretroviral therapy (HAART) [Abstract I-270]. 38th ICAAC, San Diego, CA, 1998.
Abstract

3. Chiller T, Park A, Chiller K, et al. HIV protease inhibitor therapy is associated with increased time to relapse and death in AIDS patients with cytomegalovirus retinitis [Abstract I-267]. 38th ICAAC, San Diego, CA, 1998.
Abstract

4. Tural C, Romeu J, Sirera G, et al. Long-lasting remission of cytomegalovirus retinitis without maintenance therapy in human immunodeficiency virus-infected patients. J Infect Dis 1998;177:1080-3.
Abstract


 

 
     
 

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