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Nachrichten 1998 zur Übersicht ART mit 4- und 5fach-Kombinationen Frankfurt, 23. Oktober 1998 - Eine 4- oder 5fach-Kombination senkt die Viruslast in kürzerer Zeit unter die Nachweisgrenze als eine Standard-Dreifachkombination. Dies wurde kürzlich bei therapienaiven Patienten für die Kombinationsschemata AZT/3TC+Abacavir+Indinavir+Nevirapin und Nelfinavir/Saquinavir+D4T+3TC demonstriert. Theoretisch könnte die wirksamere und vollständigere Unterdrückung der Virusvermehrung bewirken, daß die Ausbildung resistenter Virusstämme begrenzt wird. Dann würde der Anteil der Patienten, die eine Viruslast von <20 bis 50 Kopien/ml erreichen, steigen, vor allem aber könnte die Suppression der Virusaktivität eventuell über längere Zeiträume aufrechterhalten werden. Ob dieser Intensivtherapie-Ansatz mittelfristig Behandlungsfortschritte bringt, wird derzeit in verschiedenen Zentren geprüft. Da 5fach-Kombinationen häufiger Nebenwirkungen hervorrufen als Standard-Dreifachkombinationen, wäre ihr Einsatz bei zahlreichen Patienten nur über einen begrenzten Zeitraum möglich. Das wiederum belebt die Diskussion über das Konzept der Induktions- und Erhaltungstherapie in der HIV-Behandlung. Dessen Prinzipien sind: Einleitung der Behandlung mit einem aggressiven Medikamentencocktail, Inkaufnahme vermehrter Nebenwirkungen über eine begrenzte Zeit und schließlich - nach Erreichen eines optimalen Therapieerfolgs - Umstellen der Medikation auf eine Kombination, die sowohl wirksam ist als auch eine ausreichende Compliance gewährleistet. Die ersten Erfahrungen mit dem Konzept von Induktions- und Erhaltungstherapie waren freilich ernüchternd. Patienten, deren Viruslast mit einer Dreifachtherapie (bestehend aus zwei Inhibitoren der reversen Transkriptase und einem Proteaseinhibitor) auf Werte zwischen 200 und 500 Kopien/ml gesenkt wurde, hatten einen raschen Wiederanstieg der Viruslast nach einer Umstellung auf nur zwei Medikamente (siehe die HIV.NET-Nachricht vom 26. Februar 1998: HIV-Therapie herunterfahren? Bitte nicht!). Ob eines Tages auf einem aggressiveren Niveau (Induktion mit 5, Erhaltung mit 3 oder mehr Medikamenten) das Prinzip von Induktions- und Erhaltungstherapie in der Behandlung der HIV-Infektion greifen kann, ist daher derzeit völlig offen.
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