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HIV und dilatative Kardiomyopathie

Bonn, 22. Oktober 1998 - In der aktuellen Ausgabe des NEJM berichten Giuseppe Barbaro et al. fuer die italienische Studiengruppe Gruppo Italiano per lo Studio Cardiologico dei Pazienti affetti da AIDS über die Inzidenz von dilatativer Kardiomyopathie bei HIV-Infizierten [1]. Damit werden erstmals Ende der 80er Jahre gemachte Beobachtungen ueber eine Assoziation von HIV mit Herzerkrankungen bestaetigt und erweitert. In einer grossangelegten prospektiven Studie entwickelten von 952 HIV-positiven Patienten (CDC II, NYHA I) während des 5jährigen Beobachtungszeitraumes 76 Patienten (=8%) eine dilatative Kardiomyopathie (dann NYHA III oder IV). Die Inzidenz bei Patienten mit weniger als 400/µl Helferzellen war dabei groesser als bei Patienten mit CD4-Zellzahlen >400/µl.

Ein wesentlicher Grund fuer die Kardiomyopathie scheint eine Myokarditis zu sein: Bei 63 der 76 Kardiomyopathie-Patienten lag eine Myokarditis vor (=83%). Bei 58 Patienten wurde HIV-Nukleinsaeure in den Myozyten nachgewiesen. 36 dieser 58 Patienten hatten eine aktive Myokarditis, wobei 6 Coxsackievirus B-, 2 CMV- und 1 EBV-Koinfektion vorlagen. Moeglicherweise verursacht das HI-Virus die dilatative Kardiomyopathie durch direkte Wirkung auf das Myokard oder durch die Ausloesung von Autoimmunprozessen.

Kommentar der HIV.NET-Redaktion:
Die Assoziation von HIV mit Herzerkrankungen ist nicht neu, wurde an einem derart grossen Kollektiv prospektiv aber noch nicht nachgewiesen. Wenn auch diese Studie viele Fragen zur Pathogenese nicht beantworten kann, so lenkt sie die Aufmerksamkeit doch darauf, dass das HI-Virus nicht nur Lymphozyten und lymphatische Gewebe infiziert. Auch andere Zelltypen und Organe koennen (primaer?) Ziel sein. Moeglicherweise muss die "Fixierung" der letzten Jahre auf die CD4-Zellen einer umfassenderen pathogenetischen Sichtweise weichen.

Besonders bedeutsam ist aber, dass Barbaro et al. in Erinnerung rufen, dass gerade die oft jungen, herzgesunden Patienten sorgfaeltig aerztlich ueberwacht weren sollten, damit das Auftreten einer Kardiomyopathie oder anderer kardiovaskulaerer Abnormalitaeten rechtzeitig bemerkt und therapiert werden kann.

Literatur
1. Barbaro G, et al. Incidence of dilated cardiomyopathy and detection of HIV in myocardial cells of HIV-positive patients. Gruppo Italiano per lo Studio Cardiologico dei Pazienti Affetti da AIDS. N Engl J Med 1998; 339:1093-9.
Abstract


 

 
     
 

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