Nachrichten 1998
zur Übersicht
Resistenzbestimmungen bei der ART
Frankfurt,
25. Juni -
Eine Expertengruppe der amerikanischen AIDS Society gibt in der JAMA-Ausgabe vom 24. Juni
Empfehlungen für das klinische Management von Patienten heraus, bei denen unter einer
antiretroviralen Therapie medikamentenresistente
HIV-Stämme aufgetreten sind.
Hirsch MS et al: Antiretroviral Drug Resistance Testing in Adults with HIV Infection. JAMA 1998; 279: 1984-91;
http://www.ama-assn.org/special/2010/library/readroom/jama98/jst80001.htm
Editorial: Drug-Resistant HIV-1. JAMA 1998; 279: 2000-2
http://www.ama-assn.org/special/2010/library/readroom/jama98/ed80046x.htm
Nach einer Darstellung, warum und wie schnell resistente Virusstämme sich ausbilden (z. B.
Resistenz schon nach einer einzigen Mutation bei 3TC
und NNRTI, aber erst nach mehreren Mutationen bei
AZT, Indinavir
u.a.), formulieren die Autoren die folgenden Empfehlungen:
- Genetische HIV-Varianten mit einer oder (weniger wahrscheinlich) 2 Mutationen
sind schon vor Therapiebeginn bei allen Patienten vorhanden. Aus diesem Grund
versagen rasch Therapieregime, die 3TC oder gewisse NNRTI enthalten, wenn sie die
Virusvermehrung nur teilweise unterdrücken.
- Vermutlich sind (bei therapienaiven Patienten) genetische Varianten mit 3 oder
mehr Resistenzmutationen selten. Aus diesem Grund werden potente Kombinationen von
antiretroviralen Medikamenten empfohlen, denen das HIV nur durch zahlreiche Resistenzmutationen
"entkommen" kann.
- Um die zunehmende Ausbildung von Resistenzmutationen zu vermeiden, sollten Kombinationsschemata
angewandt werden, die die Virusvermehrung auf ein Niveau von weniger als 50 Kopien/ml senken.
- In allen Patienten ist eine komplexe Mischung von genetisch unterschiedlichen
HIV-Varianten vorhanden. Resistenztests, ob genotypisch oder phänotypisch, vermögen
Informationen nur über die dominante Virusvariante zu geben und können minore
Varianten verfehlen.
- Eine frühere Behandlung vermag resistente Mutanten hervorgebracht haben, die im
Lymphgewebe fortbestehen, aber nicht mehr dominant und - wegen der aktuell eingesetzten
Medikamente - auch nicht nachweisbar sind. Eine erneute Behandlung mit dem früheren Medikament
kann dann unwirksam sein, weil diese Mutanten rasch selektiert werden. Daher müssen
genotypische und phänotypische Resistenztests immer auf dem Hintergrund der
Medikamentenanamnese interpretiert werden.
Siehe auch:
Resistenzbestimmungen im klinischen Management
http://www.ama-assn.org/special/2010/library/readroom/jama98/80001t3.htm
Vergleich zwischen genotypischen und phänotypischen Resistenztests
http://www.ama-assn.org/special/2010/library/readroom/jama98/80001t2.htm
Faktoren, die zu einem Therapieversagen wegen Resistenzentwicklung führen können
http://www.ama-assn.org/special/2010/library/readroom/jama98/80001f3.htm
Die häufigsten Mutationen, die durch eine Behandlung mit
PI, RTI und NNRTI hervorgerufen werden
können
http://www.ama-assn.org/special/2010/library/readroom/jama98/80001f1.htm