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HIV-Therapierichtlinien eines NIH-Expertengremiums

Frankfurt, 1. Juni - Die "Therapieprinzipien der HIV-Infektion", erstellt von einem Expertengremium der NIH, und die darauf gründenden "Richtlinien für den Einsatz antiretroviraler Medikamente" liegen nun in der endgültigen Fassung vor. Der englischsprachige Originaltext umfaßt 91 Seiten und ist als Acrobat-File verfügbar (723 kByte).

Die Therapieprinzipien in der Kurzfassung:

  1. Die fortlaufende Vermehrung (Replikation) von HIV führt zu einer Schädigung des Immunsystems und schließlich zu AIDS. Eine HIV-Infektion ist immer schädlich, und ein wirklich langfristiges Überleben ohne eine klinisch bedeutsame Fehlfunktion des Immunsystems ist ungewöhnlich.
  2. Die HIV-RNA-Konzentration im Plasma (Viruslast) ist ein Indikator für das Ausmaß der HIV-Replikation und der damit verbundenen Zerstörung der CD4 T-Lymphozyten (CD4-Zellen). Die CD4-Zellzahl hingegen zeigt das Ausmaß des bereits vorhandenen Immunschadens an. Regelmäßige Messungen der Viruslast und der CD4-Zellen sind notwendig, um das Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung (Krankheitsprogression) bei einem HIV-infizierten Menschen zu bestimmen und festzulegen, wann ein antiretrovirales Behandlungsregime begonnen oder umgestellt werden muß.
  3. Da die Geschwindigkeit der Krankheitsprogression individuell unterschiedlich ist, sollten Therapieentscheidungen individuell je nach Risikograd (der durch Viruslast und CD4-Zellen angezeigt wird) getroffen werden.
  4. Der Einsatz einer starken antiretroviralen Kombinationstherapie (mindestens 3fach-Kombination; N.d.T), die die HIV-Replikation unter die Nachweisgrenze der sensiblen HIV-RNA-Assays senkt, senkt auch die Wahrscheinlichkeit, daß Viren selektiert werden, die gegen antiretrovirale Medikamente resistent sind. Die Entstehung resistenter Viren ist der wichtigste Faktor, der dazu führt, daß antiretrovirale Medikamente nur noch eingeschränkt in der Lage sind, die HIV-Replikation zu begrenzen und die Krankheitsprogression hinauszuschieben. Therapieziel ist daher die maximal erreichbare Unterdrückung der HIV-Replikation.
  5. Das wirksamste Vorgehen, eine dauerhafte Unterdrückung der HIV-Replikation zu erreichen, ist der gleichzeitige Beginn einer Kombinationsbehandlung mit wirksamen anti-HIV-Medikamenten, mit denen der Patient vorher noch NICHT behandelt wurde und die keine Kreuzresistenzen zu Medikamenten aufweisen, mit denen der Patient vorher behandelt wurde.
  6. Jedes antiretrovirale Medikament, das in einem Kombinationsregime eingesetzt wird, sollte stets in optimalen Zeitabständen und Dosierung gegeben werden.
  7. Die derzeit verfügbaren antiretroviralen Medikamente sind begrenzt in Zahl und Wirkmechanismus, und Kreuzresistenzen zwischen Medikamenten ähnlichem Angriffspunkt sind dokumentiert. Jede Umstellung einer antiretroviralen Therapie bedingt künftige therapeutische Einschränkungen.
  8. Frauen sollten ungeachtet einer etwaigen Schwangerschaft eine optimale antiretrovirale Therapie erhalten.
  9. Die Prinzipien der antiretroviralen Therapie gelten gleichermaßen für HIV-infizierte Kinder, Heranwachsende und Erwachsene, obwohl bei der Behandlung von HIV-infizierten Kindern pharmakologische, virologische und immunologische Besonderheiten beachtet werden müssen.
  10. Menschen, bei denen eine HIV-Infektion während der akuten Primärinfektion diagnostiziert wird, sollten mit einer antiretroviralen Kombinationstherapie behandelt werden, um die Virusreplikation unter die Nachweisgrenze der empfindlichen HIV-RNA-Assays zu senken.
  11. Auch HIV-Infizierte, deren Viruslast unter der Nachweisgrenze ist, sollten als infektiös betrachtet werden. Sie sollten daher dahingehend beraten werden, daß sie Verhaltensweisen vermeiden (sexuell, Drogenkonsum), die mit der Übertragung von HIV oder anderen Krankheitskeimen verbunden sind.


 

 
     
 

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