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Maturations-Inhibitoren
Maturations-Inhibitoren ("Reifungshemmer") hemmen die HIV-Replikation
in einer späten Phase des Vermehrungszyklus, nämlich bei der Knospung neuer Virionen. Wie
bei den Integrasehemmern war 2005 das Jahr der Initialzündung: auch hier wurde erstmals in vivo
eine antiretrovirale Wirkung nachgewiesen. Bevirimat (PA-457) ist ein Derivat der Betulinsäure, die als
Triterpencarbonsäure aus Birkenrinde isolierbar ist. Bevirimat (Hersteller: Panacos) hemmt die
Replikation in einer späten Phase des Vermehrungszyklus, nämlich bei der Knospung bzw.
Reifung neuer Virionen (Li 2003). Durch Bevirimat wird die Umwandlung des Kapsid-Precursor (p25) in
das reife Kapsid-Protein (p24) gehemmt, es entstehen nicht-infektiöse Viren. Aufgrund seines
neuartigen Wirkmechanismus wirkt Bevirimat auch gegen resistente Viren. Nachdem Anfang 2005 die
ersten Ergebnisse einer kleinen Studie an HIV-Patienten veröffentlicht worden waren (Martin
2005), wurden im Herbst 2005 die Daten einer plazebokontrollierten IIa-Studie publiziert, in der die
Patienten 10 Tage eine orale, einmal tägliche Monotherapie mit PA-457 erhalten hatten (Beatty
2005). Im 200 mg-Arm, der höchsten Dosierung, wurde im Median ein Absinken der Viruslast von
1,03 Logstufen erreicht, in der 100 mg-Gruppe immerhin noch 0,48 Logstufen. Allerdings gab es
auch Patienten, bei denen keine signifikanten Effekte auf die Viruslast nachweisbar waren. Dagegen
erfreulich: die Substanz hat eine lange Halbwertszeit, die einmal tägliche Gabe wird auf jeden
Fall möglich sein (Smith 2006). Bislang wurde Bevirimat gut vertragen. Resistenzen traten im
Menschen bislang nicht auf, allerdings konnten im Labor Resistenzmutationen im Kapsid- und im
Gag-Zielgen selektioniert werden. Da dies Punktmutationen waren, wird eine niedrige
Resistenzbarriere befürchtet. Resistente Mutanten haben dafür wohl eine geringe
Replikationsfitness als Wildtyp-Viren (Adamson 2006). Auch wirkt Bevirimat mit anderen antiviralen
Substanzen synergistisch (Kilgore 2006). UK-201844 - ist ein Maturationsinhibitor von Pfizer. Er wurde entdeckt,
nachdem man mehr als eine Million (!) Substanzen gescreent hatte (Blair 2006). Der Wirkmechanismus
scheint in einer Interaktion mit der gp160-Prozessierung zu liegen, die zur Produktion
nicht-infektiöser Viren führt. Maturationsinhibitoren sind zweifellos eine interessante neue Substanzklasse. Sie
müssen jetzt den steinigen Weg der Phase IIb/Phase III-Studien gehen, und ob es zum Beispiel
Bevirimat als Prototyp je in die Klinik schaffen wird, bleibt noch unklar. Spannend ist jedoch schon
jetzt zu sehen, dass HIV nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch von einer neuen Seite
attackiert werden kann. Andererseits: HIV wird vermutlich neue Möglichkeiten finden, sich der
Wirkung zu entziehen… Literatur zu Maturations-Inhibitoren
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