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Attachment-Inhibitoren
Das Andocken des HIV-Glykoproteins gp120 an den
CD4-Rezeptor ist der erste Schritt beim Eintritt von HIV in die Zelle. Theoretisch lässt sich
das Andocken (Attachment) bzw. die Interaktion von gp120 und CD4 durch verschiedene Mechanismen
hemmen - so kann sowohl der CD4-Rezeptor als auch die Bindungsstelle von gp120 blockiert werden.
Beides wird derzeit untersucht, und folglich sind die Attachment-Inhibitoren sehr heterogen, sodass
man vermutlich gar nicht von einer einzelnen Substanzklasse sprechen kann. Bereits Anfang der 90er Jahre wurde mit löslichen CD4-Molekülen
experimentiert, die das Andocken von HIV an die CD4-Zellen verhindern (Daar 1990, Schooley 1990).
Was im Labor zunächst gut ausgesehen hatte, funktionierte im Menschen leider nicht,
wahrscheinlich aufgrund der sehr kurzen Halbwertszeit von löslichem CD4 (wenige Minuten). Mit
dem wachsenden Wissen um den Mechanismus des Eintritts von HIV in die Zelle, aber auch durch den
Erfolg von T-20 als erstem Entry-Inhibitor, hat sich die Entwicklung der Attachment-Inhibitoren in
den letzten Jahren neu belebt. Die meisten Präparate sind allerdings noch nicht besonders weit
in ihrer Entwicklung und oft noch mit einer problematischen Pharmakokinetik belastet - meist geht es
derzeit noch um "Proof of Principle". TNX-355 (früher Hu5A8) ist ein monoklonaler Antikörper, der
direkt an den CD4-Rezeptor bindet und so den Eintritt von HIV verhindert. Ganz ist der
Wirkmechanismus allerdings noch nicht geklärt. Im Gegensatz zu anderen Attachment-Inhibitoren
scheint TNX-355 nicht die Bindung von gp120 an CD4 zu verhindern, sondern eher die konformationelle
Änderung und damit die Bindung von gp120 an CCR5 und CXCR4. Entwickelt wird TNX-355 von Tanox
Biosystem (Houston, Texas). TNX-355 kann nur intravenös verabreicht werden. Nach ersten Studien
(Jacobsen 2004, Kuritzke 2004) gibt es mittlerweile 48-Wochen-Daten einer plazebokontrollierten
Phase-II-Studie (Norris 2006). In dieser erhielten intensiv vorbehandelte Patienten zusätzlich
zu einer optimierten ART alle zwei Wochen eine Infusion mit zwei unterschiedlichen Dosen TNX-355 (10
bzw. 15 mg/kg) oder Plazebo. Nach 48 Wochen war ein lang anhaltender Viruslastabfall von etwa einer
Logstufe in beiden Verum-Armen zu beobachten. Nach diesen Daten ist TNX-355 sicherlich eine der spannenderen neuen Substanzen
in der HIV-Medizin. Es scheint eine inverse Korrelation zwischen der Sensitivität für
TNX-355 und löslichem CD4 geben, möglicherweise sind TNX-355-resistente Viren für
lösliches CD4, das alleine nicht wirkt (siehe oben), überempfindlich (Duensing 2006). Eine
Frage wird allerdings sein, ob die Funktionalität der CD4-Zellen nicht beeinträchtigt
wird. Bislang wurden keine negativen Auswirkungen auf die CD4-Zellen festgestellt, und angeblich ist
die Bindungsstelle von TNX-355 an CD4 auch anders lokalisiert als die Bindungsstellen der
natürlichen CD4-Liganden, den HLA-Klasse-II-Molekülen. Die CD4-Zellen sollten ihre
normalen Funktionen also wahrnehmen können, auch wenn TNX-355 die HIV-Bindungsstelle besetzt.
Hoffen wir, dass dem so ist. BMS-488043 ist ein Attachment-Inhibitor der Firma BMS. Als sogenanntes
"small molecule" bindet es spezifisch und reversibel an gp120 von HIV und verhindert so
das Andocken an die CD4-Zelle. BMS-488043 bindet also nicht wie TNX-355 an den CD4-Rezeptor.
Anfang 2004 wurden die ersten Ergebnisse bei HIV-infizierten Patienten publiziert (Hanna 2004).
Unter 800 mg und 1800 mg jeweils zweimal täglich sank die Viruslast sank nach 7 Tagen
Monotherapie im Mittel um 0,72 bzw. 0,96 Logstufen. Immerhin erreichten 15/24 Patienten mehr als
eine Logstufe. Die Substanz wurde in dieser Studie gut vertragen. Allerdings ist die Pillenlast
bislang noch hoch - die Galenik wird verbessert werden müssen. Außerdem könnten
rasch Resistenzen auftreten - die Bindungsstelle von gp120 ist schließlich eine der
variabelsten Stellen überhaupt. Möglicherweise könnte diese Art Attachment-Inhibitor
eine Rolle in der Entwicklung von Mikrobiziden spielen (Kadow 2006). Literatur zu Attachment-Inhibitoren
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