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Nevirapin

von BSK & CH

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Häufig verwendeter NNRTI, der auch erfolgreich in der Prophylaxe der Mutter-Kind-Übertragung eingesetzt wird. Für die Resistenzentwicklung ist wie bei allen NNRTIs nur eine Punktmutation erforderlich. Bei sehr guter Langzeitverträglichkeit (günstiges Lipidprofil!) ist die Hepatotoxizität in den ersten Monaten (s. unten) ein Problem. Es sollte immer einschleichend dosiert werden.

Handelsname: Viramune®; Abk.: NVP.

Tabletten zu 200 mg (N1: 60, N2: 20). Suspension (N1: 240 ml) mit 10 mg/ml.

Medikamentenklasse: NNRTI.

Hersteller: Boehringer-Ingelheim.

Indikation: HIV-Infektion. Laut FDA sollten Patienten mit gutem Immunstatus (Frauen > 250, Männer > 400 CD4-Zellen/µl) wegen eines erhöhten Risikos für Hepatotoxizität eher kein Nevirapin als Bestandteil der Primärtherapie erhalten.

Dosierung: Täglich 2 x 1 Tablette nüchtern oder zu den Mahlzeiten. Eine zweiwöchige Einschleichphase (1 x 1 Tablette/Tag) reduziert die Häufigkeit von Exanthemen. Bei Therapiepausen und guter Verträglichkeit ist ein erneutes Einschleichen nicht notwendig.

Nebenwirkungen: Hepatotoxizität, Arzneiexanthem. Selten Fieber, Übelkeit, Schläfrigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. Diese können mit und ohne Hepatotoxizität und/oder Exanthem auftreten. Moderate Gamma-GT-Erhöhungen.

Wegen der möglichen Hepatotoxizität (bis zu 15 %, definiert als mindestens dreifacher Anstieg der Transaminasen) sollten die Leberwerte in den ersten zwei Monaten zweiwöchentlich kontrolliert werden. Auch danach sind zunächst monatliche Kontrollen notwendig, da mehr als die Hälfte der hepatotoxischen Episoden nach dem ersten Behandlungsquartal auftreten. Bei Hepatotoxizität ist die Therapie solange zu unterbrechen, bis die Leberwerte auf die Ausgangswerte zurückgekehrt sind. Wiederbeginn der Therapie mit 1 x 200 mg. Dosiserhöhung auf 2 x 200 mg erst nach ausgedehnter Beobachtungszeit. Bei erneutem Wiederanstieg der Leberwerte Nevirapin definitiv absetzen. Auf der Webseite der EMEA finden sich noch genauere Handlungsanweisungen (http://hiv.net/link.php?id=120). Das Risiko ist bei gutem Immunstatus erhöht (Frauen > 250 CD4-Zellen/µl: 12-fach, Männer > 400 CD4-Zellen/µl: 5-fach).

Ein oft juckendes Exanthem, das meist innerhalb der ersten sechs Wochen auftritt, kann - bei fehlender Schleimhautbeteiligung und normalen! Transaminasen - meist mit Antihistaminika (zum Beispiel Fenistil retard® 1 x 1 Tablette) beherrscht werden. Bei Pruritus hilft Fenistil®-Gel. Bei schweren Exanthemen Nevirapin absetzen und Steroide geben (zum Beispiel 1 mg/kg Decortin® für 3-5 Tage), ebenso bei zusätzlichen Symptomen wie Fieber, Konjunktivitis, Muskel- oder Gelenkschmerzen, allgemeines Unwohlsein. Wenn das Exanthem während der ersten zwei Wochen auftritt, sollte die Dosis bis zur vollständigen Rückbildung nicht erhöht werden. Eine Steroid- oder Antihistaminika-Prophylaxe ist nicht sinnvoll.

Hinweise/Warnungen:

Vorsicht bei Leberfunktionsstörungen (Spiegelmessungen).

Kontraindiziert ist die gleichzeitige Anwendung von Rifampicin, Ketoconazol, Johanniskraut und der "Pille".

Dosisanpassung bei Kombination mit

Indinavir: Erhöhung der Indinavirdosis auf 3 x 1000 mg.

Azole: In der antimykotischen Therapie sollte Fluconazol eingesetzt werden.

Methadon: Bei Entzugssymptomatik eventuell Dosiserhöhung.

Lopinavir: evtl. Dosiserhöhung Kaletra® auf 2 x 4 Kps. (Spiegelbestimmung!)

Günstiges Langzeitprofil. Insbesondere die Lipide werden meist günstig beeinflusst. Bei längerer Gabe ist die ?GT fast immer erhöht. Werte bis 150 U/l können toleriert werden. Nevirapin sollte nicht in der Postexpositionsprophylaxe eingesetzt werden.

Internationale Informationsquellen:

Arzneimittel-Kompendium der Schweiz: http://hiv.net/link.php?id=122

USA: http://hiv.net/link.php?id=121

Literatur:

1. Back D, Gibbons S, Khoo S. Pharmacokinetic drug interactions with nevirapine. J Acquir Immune Defic Syndr 2003; 34 Suppl 1: S8-14. http://amedeo.com/lit.php?id=14562853

2. Chi BH, Wang L, Read JS, et al. Timing of maternal and neonatal dosing of nevirapine and the risk of mother-to-child transmission of HIV-1: HIVNET 024. AIDS 2005; 19: 1857-64. Abstract: http://amedeo.com/lit.php?id=16227794

3. Clarke SM, Mulcahy FM, Tjia J, et al. Pharmacokinetic interactions of nevirapine and methadone and guidelines for use of nevirapine to treat Injection drug users. Clin Infect Dis 2001, 33. http://amedeo.com/lit.php?id=11568856

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5. Gonzalez de Requena D, Nunez M, Jimenez-Nacher I, Soriano V. Liver toxicity caused by nevirapine. AIDS 2002, 16: 290-1. http://amedeo.com/lit.php?id=11807315

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