Einleitung
Mehr als 25 Jahre sind vergangen seit dem Beginn der AIDS-Epidemie. Ein
Vierteljahrhundert, in dem die Medizin den ersten Etappensieg gegen die Pandemie erzielt hat. AIDS -
im letzten Jahrhundert noch ein Todesurteil - hat in den wohlhabenden Ländern die Aura des
unwiderruflich Fatalen verloren. Und da die Zeit voranschreitet und die Erinnerung an die
Endzeitstimmung der 80er Jahre verblasst, gibt's Sex mancherorts selbst dort ungeschützt, wo
man sich vor Jahren noch bedeckt hielt. Entsprechend steigt die Inzidenz von Syphilis und anderen
Geschlechtskrankheiten, entsprechend steigen die Neuinfektionen mit HIV.
Immerhin: Wenn schon die Menschen nicht vernünftiger werden, so macht
wenigstens die Medizin Fortschritte. Heute, 11 Jahre nach der Einführung der HAART, kommt
erneut Bewegung in die Behandlung der HIV-Infektion. Eine wirksame HIV-Therapie gibt es nun schon
für eine einzige Pille am Tag - vor 10 Jahren waren das noch bis zu 15 Tabletten.
Außerdem wird sich vermutlich schon in den nächsten zwei Jahren (siehe HAART-Kapitel) das
Spektrum der HIV-Medikamente um zwei Medikamentenklassen erweitern. Für HIV-infizierte Menschen
ist dies Grund für verhaltenen Optimismus, für nicht-infizierte Menschen kein Grund zur
Entwarnung. Sicher, man stirbt heute nicht an HIV wie vor 20 Jahren. Genauso sicher ist: Es lebt
sich einfacher ohne die Notwendigkeit einer HIV-Therapie. Wer HIV-negativ ist, sollte versuchen, es
dabei zu belassen.
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